BERLIN/BRüSSEL - Der ums Überleben kämpfende Handels- und Tourismuskonzern Arcandor kann kaum noch auf Staatshilfen aus dem Milliarden-Notfonds hoffen. Er muss nun andere Rettungswege mit drastischen Einschnitten ausloten. Die EU-Kommission äußerte am Mittwoch erhebliche Zweifel daran, dass Arcandor (ehemals Karstadt-Quelle) erst seit der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise in Problemen steckt. Die Kriterien für die Staatshilfen seien damit nicht erfüllt. Auch die Bundesregierung ließ durchblicken, dass Arcandor damit wohl nicht mehr auf den Notfonds setzen kann.
Arcandor hofft auf eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen Euro. Bei Arcandor stehen Refinanzierungen an. Der Konzern stieß zuletzt offenbar zunehmend auf Probleme bei Banken.
Die Einschätzung Brüssels sei überaus gewichtig, hieß es in Berlin. Arcandor müsse daher Rettungs- oder Umstrukturierungshilfen prüfen. Diese seien allerdings mit deutlichen Kürzungen bei den Kapazitäten und Arbeitsplätzen verbunden. Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) machte deutlich, dass die Regierung im Sinne der Arbeitnehmer am Überleben interessiert sei.
Der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte in Brüssel, nach Analyse der vorliegenden Informationen sei der Konzern „nicht förderungswürdig, weil er schon vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen ist“. Guttenberg sprach von einer „sehr klaren“ Ansage aus Brüssel. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) meinte, die Eigentümer seien in der Pflicht. Die Familie Schickedanz und die Bank Sal. Oppenheim halten zusammen etwa 60 Prozent.
Metro bekundete Interesse an 60 der 90 Standorte. Man könnte sie in Kaufhof integrieren, so Finanzvorstand Thomas Unger zur „Welt“.
