BERLIN - Verbraucher in Deutschland können schon bald schneller zu einem billigeren Strom- und Gasanbieter wechseln. Die Regierung beschloss am Mittwoch die Verkürzung der Kündigungsfrist von vier auf zwei Wochen. „Künftig wird der Wechsel des Grundversorgers deutlich einfacher sein“, betonte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Ziel sei es, den Wettbewerb zu fördern und dadurch die Preise für Strom- und Gaskunden stabil zu halten. Er sprach von „einem guten Tag“ für die Verbraucher.

Bisher sind die meisten Bürger eher „Wechselmuffel“, obwohl die neuen Anbieter in der Regel den bürokratischen Aufwand übernehmen. Je nach Region liegt die Kündigungsquote bisher oft bei unter zehn Prozent. Nach Angaben von Vergleichsportalen lassen sich durch einen Wechsel je nach Verbrauch teilweise mehr als 200 Euro pro Jahr sparen. In Deutschland gibt es rund 1100 Strom- und 800 Gasversorger.

Ein Wechsel des Lieferanten müsse künftig in maximal drei Wochen umgesetzt werden, sagte Rösler. Künftig kann die Versorgung durch den neuen Anbieter auch an jedem Werktag beginnen – und nicht mehr erst zum 1. des nächsten Monats.

Wenn der Bundesrat zustimmt, kann die Neuregelung ab März oder April gelten. Für Grundversorgungsverträge gelten die neuen Kündigungsfristen in der Grundversorgungsverordnung (GVV) mit Inkrafttreten der Änderungen. Bei Sonderkundenverträgen gelten die vertraglichen, nicht durch die GVV geregelten, Kündigungsfristen zunächst einmal fort. „Hier ist es Sache der Unternehmen, ob sie die vertraglich geregelten Kündigungsfristen an die der GVV anpassen“, betonte das Bundeswirtschaftsministerium.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der für Hunderte Stadtwerke spricht, sieht die Regelung kritisch. Die Kunden müssten wegen der zweiwöchigen Kündigungsfrist und des dreiwöchigen Lieferantenwechsels womöglich zunächst kurze Zeit in der sogenannten Ersatzversorgung durch den örtlichen Grundversorger verbringen, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck.


Die neuen Energieanbieter begrüßten die Neuregelung. „Der Wechsel zu einem seriösen neuen, Anbieter wird dadurch noch einfacher und problemloser möglich sein als bisher“, sagte Robert Busch vom Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE).