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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Das Geschäft mit dem Reisehunger

22.06.2018

Berlin Wenn Deutschland schlafen geht, beginnt im ICE die Arbeit. Lagermitarbeiter Justin Wray rollt in Berlin ein Bierfass in den Zug und Container in die Bordküche. An Bahnhöfen zwischen Hamburg und München füllen Teams nachts Speisewagen der Deutschen Bahn. Mit Apfelschorle und Erdinger, Gulasch und Zuckerwaffeln. Für den Konzern ist das kein einfaches Geschäft, aber ein Service, um Kunden nicht an die Konkurrenz zu verlieren.

Speisewagen, das klingt nach weißer Tischdecke und einem Hauch Orient-Express. Heute kommt das Aktionsgericht „Frikadelle mit Pilzrahmsoße“ aus einem Plastikbeutel auf den Teller. Die Currywurst gibt es im Mitnehmbecher. „Das klassische Tellergericht ist nicht mehr so stark vom Kunden gewünscht“, sagt eine Bahnsprecherin.

Gäste bestellten seltener Drei-Gänge-Menüs, auch weil die Fahrzeiten kürzer seien, sagt eine ihrer Kolleginnen. Stattdessen versucht es der Konzern mit mehr Snacks. 2017 wurden rund 200 000 Portionen Chili con Carne verkauft, von anderen Gerichten noch mehr. Etwa knapp 230 000 Currywürste und mehr als 640 000 Flammkuchen. Neben Eintopf gibt es heute auch veganen Möhren-Apfel-Salat oder Bio-Salat mit Couscous.

Den Salat mag auch Michael Wedel vom Deutschen Bahnkunden-Verband. Er kauft am liebsten billige Bahntickets. Von Berlin nach München und am gleichen Tag zurück. Er steige gern in Berlin-Gesundbrunnen ein, noch vor dem Hauptbahnhof, und sichere sich einen Platz im Bordrestaurant. Von dort bestellt er und guckt aus dem Fenster. „Also wenn es voll wird, gehe ich natürlich auch“, sagt Wedel.

Im Speisewagen lasse er meist 40 bis 50 Euro. Über manches ärgert er sich auch. „Ich find’ sie bisschen klein, die Brötchen“, sagt er der Bahn bei einem Rundgang in Berlin. Die Butter sei manchmal zu hart. Der Salat sei dagegen immer sehr gut, aber: „Früher war noch mit Lachs.“ Wedel kritisiert, dass die neuen Doppelstock-IC kein Bordbistro hätten. Dort gingen lediglich Verkäufer durch den Zug.

Dass man nach Stunden auf Reisen gern isst, wissen nicht nur Eltern, die bei Autofahrten regelmäßig Tüten auf die Rückbank reichen. Auch andere Verkehrsunternehmen organisieren eine Verpflegung. Holländische Nordseeboote verkaufen Fleischkroketten, griechische Fähren Burger. Mittlerweile müssen viele Passagiere auch im Flugzeug zahlen. Dort wird aufgewärmt, ganz so wie im Zug.

Viele Fernbusse verkaufen ebenfalls Snacks. Aber „nichts, was klebt und dreckig macht“, sagt ein Flixbus-Sprecher. Das Unternehmen arbeitet mit rund 300 Busgesellschaften. Die Partner entscheiden selbst, welche Snacks sie verkaufen. Der Erlös aus Wasser oder Gummibärchen gehe zu 100 Prozent an Fahrer oder Buspartner, sagt der Sprecher.

Bei der Bahn meldet ein Computersystem, wenn der Bestand knapp wird. Im Normalfall fährt ein ICE erstmal mit acht Currywürsten los, wie Gruppenleiter Gregor Pliefke erklärt.

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