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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

So teuer wäre die Sanierung vom Flughafen Berlin-Tegel

26.07.2017

Berlin Ein dauerhafter Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tegel wäre aus Sicht von Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup auch wegen hoher Sanierungskosten unwirtschaftlich. „Eine dann notwendige Grundsanierung würde mehr als eine Milliarde Euro kosten“, sagte Lütke-Daldrup am Dienstag bei einem Rundgang auf dem City-Airport aus den 1970er Jahren. „Allein für die Gebäude wären 550 Millionen Euro fällig, 350 Millionen Euro für die Erneuerung der Verkehrswege und 250 Millionen Euro für die Infrastruktur.“ Außerdem wären bei einem Doppelbetrieb in Tegel und Schönefeld jährlich 100 bis 200 Millionen Euro Betriebskosten zusätzlich fällig.

Eine maßgeblich von der FDP getragene Volksinitiative hat einen Volksentscheid zum Weiterbetrieb erzwungen, bei dem die Berliner parallel zur Bundestagswahl am 24. September abstimmen können. Die Flughafengesellschaft ist wie die drei Eigentümer Berlin, Brandenburg und Bund für die Schließung von Tegel, wenn der Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld irgendwann eröffnet wird. „Wegen der geplanten Schließung haben wir Tegel jahrelang auf Verschleiß gefahren - das wird immer teurer und kritischer“, sagte Lütke-Daldrup. „Wir fahren aber Tegel bewusst weiter auf Verschleiß - bis zur BER-Eröffnung.“

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, warf Lütke-Daldrup daraufhin „Parolen der Angst“ und „populistische Stimmungsmache“ vor. „Tegel auf Verschleiß zu fahren ist nicht nur unverantwortlich und wahnsinnig, sondern auch ein Beweis für die gescheiterte Flughafenpolitik. „Allein die Tatsache, dass niemand bis heute sagen kann, wann der BER überhaupt fertig ist zeigt, dass Tegel jetzt und in Zukunft in Berlin gebraucht wird“, erklärte Czaja.

Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER ist seit fast sechs Jahren überfällig und bereits fünfmal verschoben worden. Inzwischen ist auch die geplante Eröffnung 2018 unsicher.

Tegel könne derzeit nur weiterlaufen, weil der Flughafen Bestandsschutz habe, erläuterte Lütke-Daldrup. „Die Sicherheitsanforderungen entsprechen dem Stand der Bauzeit vor mehr als 40 Jahren.“ So gebe es im Flughafen Tegel nur rund 4000 Sprinklerköpfe für den Brandschutz, in Schönefeld seien es dagegen nach den neuen Anforderungen etwa 78 000. „Bei einer Grundsanierung fällt der Bestandsschutz weg und dann müssten die Gebäude für die Anpassung an die neuen Standards bis auf den Rohbau entkernt werden.“

Als Beispiel verwies der Flughafenchef auf die Leitstelle des Airports, die bei Störungen von einer fehlenden Glühbirne bis hin zu Computer-Ausfällen mit Handwerkern für Abhilfe sorgt. Die Zahl der Störungsmeldungen ist in den vergangenen Jahren um ein Drittel auf mittlerweile 18 000 gestiegen. In der Leitstelle ist noch eine museal wirkende Schalttafel installiert. „Das ist Technik aus den 1960er Jahren, verbaut in den 70er“, sagte Lütke-Daldrup.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Florian Graf, erklärte, die Zahlen zum Weiterbetrieb von Tegel würden immer absurder. „Wurde vom Senat letztes Jahr noch eine Summe von 7,8 Millionen Euro jährlich für Infrastrukturausgaben veranschlagt, ist in der neuesten Rechnung von Infrastrukturausgaben in Höhe von 250 Millionen Euro die Rede“, sagte Graf. „Dies scheint ein weiteres Manöver zu sein, eine ehrliche Diskussion rund um das Volksbegehren Tegel zu torpedieren.“

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