BERLIN - Einen Monat vor dem G20-Finanzgipfel in Kanada gibt es zwischen Deutschland und den USA Streit über das weltweite Krisenmanagement. Ein Knackpunkt ist, wie stark Deutschland und andere Euro-Länder ihre Staatsschulden abbauen sollen, ohne die Weltwirtschaft zu gefährden. Die von der Bundesregierung geforderte globale Steuer auf Finanzgeschäfte lehnt Washington bisher ab.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und sein US-Kollege Timothy Geithner bekräftigten nach einem Treffen am Donnerstag in Berlin zwar den Willen zu einer gemeinsamen Lösung. Sie verwiesen aber auf unterschiedliche Ansätze.

Schäuble verteidigte den Kurs Berlins und anderer Euro-Staaten, die Staatsdefizite drastisch zu verringern. Diese seien eine Hauptursache der Euro-Krise. „Sie müssen maßvoll reduziert werden.“ Gleichzeitig wolle die Bundesregierung Anreize für mehr Beschäftigung geben.

Für Unmut in Washington hatte auch der deutsche Alleingang beim Verbot riskanter Börsenwetten mit Aktien und Euro-Anleihen gesorgt. Schäuble verteidigte gegenüber Geithner diesen Schritt. Deutschland habe schnell handeln müssen, um Spekulationen einzudämmen. Auch wolle die EU-Kommission erst im Oktober eigene Vorschläge vorlegen.

In der Haushaltspolitik werfen die USA Deutschland und anderen Staaten vor, sie gefährdeten mit großen Sparprogrammen das Wachstum. Die USA wollen die Weltkonjunktur – notfalls auch auf Pump – ankurbeln. Nach Meinung Washingtons könnten vor allem Deutschland und China mehr tun.


Derweil ist China zuversichtlich, dass die Euro-Zone die jüngste Finanzkrise überwinden wird. Europa bleibe „einer der wichtigsten Investitionsmärkte“ für Chinas Währungsreserven, teilte die oberste Währungsaufsichtsbehörde (SAFE) am Donnerstag in Peking mit und trug damit zur Beruhigung an den Finanzmärkten bei. Berichte, wonach China wegen der Euro-Krise seine europäischen Anleihen auf den Prüfstand stelle, seien „ohne Grundlage“, versicherte SAFE.