BERLIN - Um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu retten, müssen private Gläubiger und die Politik nach Ansicht des Bundesverbands deutscher Banken an einem Strang ziehen. Ganz konkret heißt das, dass sich alle an einen Tisch setzen müssen, dass alle Gläubiger und die Politik zusammenkommen müssen und überlegen müssen, welche Lösung es für dieses Problem geben kann, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer am Dienstag.
Der Betrag, mit dem deutsche Banken dort engagiert seien, nannte Kemmer in der Summe überschaubar und fügte hinzu: Das wird die Banken nicht ins Wackeln bringen. Auch dann nicht, wenn es möglicherweise Verzichte geben könnte.
Von deutschen Banken seien rund 18 Milliarden Euro an Griechenland ausgeliehen, sagte Kemmer mit Blick auf neueste Zahlen der Bundesbank im Deutschlandfunk. Da darin auch 8 Milliarden der staatseigenen KfW enthalten seien, ergebe sich eine Größenordnung zwischen 10 und 20 Milliarden Euro. Nach Bankenstatistiken liegt ein beträchtlicher Teil des Engagements auch bei den krisengebeutelten Landesbanken.
Die WestLB berichtete am Dienstag aber, dass sie das Problem der griechischen Staatsanleihen ausgestanden habe. Die restlichen Papiere über 97 Millionen Euro seien ausgelaufen. Allerdings hatte das Institut bereits 2010 Risikopapiere an eine Bad Bank abgegeben, die erste Abwicklungsanstalt, die 2010 rund 1,1 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen hielt.
Die Nord/LB rechnet als erste deutsche Großbank offiziell mit einem baldigen Schuldenschnitt für Griechenland und hat dafür nach eigenen Angaben Vorsorge getroffen. Die Landesbank ist mit 719 Millionen Euro in Griechenland engagiert. Davon sind 273 Millionen Staatsanleihen.
Bei einer möglichen Beteiligung von Banken, Versicherungen und anderen privaten Investoren an einem neuen Rettungspaket für Griechenland kommt weiter Störfeuer von den einflussreichen Ratingagenturen: Der freiwillige Umtausch griechischer Anleihen könnte nach jüngsten Kommentaren der Bonitätsprüfer verheerende Folgen haben. Ein solcher Schritt werde von der Ratingagentur Fitch als Zahlungsunfähigkeit eingestuft, sagte deren Asien-Pazifik-Chef, Andrew Colquhoun.
Unmittelbar vor der wichtigen Abstimmung des Parlaments in Athen über das Sparpaket machten sich deutsche und französische Unternehmen mit einem gemeinsamen Appell für die Rettung des Euro und die Bewältigung der Schuldenkrise stark. Dazu erschienen am Dienstag in mehreren Tageszeitungen Anzeigen unter der Überschrift Der Euro ist notwendig.
