BERLIN - Der neue Minister ist erst ein paar Tage im Amt und die Schweinepreise gehen schon wieder hoch. Zumindest seinen Humor hatte Franz-Josef Holzenkamp (Emstek), Vorsitzender der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft, angesichts der Dioxin-Diskussion noch nicht verloren, als er den Niedersachsenabend auf der Grünen Woche eröffnete.
Viel wurde rund um die Messe in Berlin um das D-Wort (Holzenkamp) diskutiert, doch zumindest am Mittwochabend ließen sich die knapp 2000 Gäste die gute Stimmung nicht vermiesen. Die Prominenz, u.a. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), Niedersachsens neuer Agrarminister Gert Lindemann (CDU) und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, erfreute sich ebenso an Schinken aus Vechta, Bauernbrot aus Delmenhorst und Bier aus Hannover, wie die zahlreichen per Bus angereisten Besuchergruppen aus dem Oldenburger Land und Ostfriesland.
Zuvor, bei einer Diskussionsrunde der Marketinggesellschaft waren Lindemann und Holzenkamp darum bemüht, das Thema Dioxin nicht zu überdramatisieren. Für die Menschen musste zu keiner Zeit eine Beeinträchtigung ihrer Gesundheit befürchtet werden, betonte Lindemann.
Holzenkamp meinte, dass man nun natürlich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne, einen Grund für eine grundsätzliche Agrarwende sehe er aber nicht. Was wir über Jahrzehnte erarbeitet haben, können wir nicht einfach über Bord werfen, sagte er.
An den Messeständen der Grünen Woche selbst sei Dioxin kein großes Thema gewesen, wie Ludger Fischer sagte. Die Nachfrage sei genauso gut wie in den Vorjahren, so der Fleischer aus Vechta, seit 20 Jahren auf der Messe und dort schon so etwas wie eine Institution. Er sehe die Grüne Woche als Chance, handwerkliche Spitzenqualität zu präsentieren.
Auch am Messestand der Fleischwarenfabrik Karl Hobbie (Edewecht) litt die Nachfrage nach dem Wattwurm und anderen Fleischspezialitäten nicht unter der Dioxin-Diskussion. Im Vorfeld der Grünen Woche haben wir uns schon etwas Sorgen gemacht, sagte Verkäuferin Gerda Wolf. Aber auf der Messe selbst sei davon nichts zu spüren gewesen.
Auch an den Ständen anderer Aussteller aus dem Nordwesten überwog die gute Stimmung. Die Messe verläuft für uns bislang sehr erfolgreich, meinte etwa Werner Hollander, Geschäftsführer von Hoklartherm, Spezialist für Gewächshäuser und Wintergärten, aus Apen (Kreis Ammerland). Die Grüne Woche habe auch deshalb seit Jahren einen festen Platz im Terminkalender von Hoklartherm, weil sie die Gelegenheit biete, die Produktpalette einem breiten Publikum aus dem ganzen Bundesgebiet zu präsentieren.
Zu den treuen Messeausstellern gehört seit 15 Jahren auch Marianne Engling aus Uplengen (Kreis Leer) mit ihren Putz- und Poliersteinen. Nachdem das Geschäft an den ersten Messetagen noch etwas schleppend angelaufen sei, hätte die Nachfrage zuletzt vor allem dank vieler Stammkunden angezogen.
Dagegen war bei Sana-therm, Spezialist für Infrarotwärmekabinen aus Bad Zwischenahn, die Stimmung ähnlich wie der Standort des Messestandes im Keller. Eine Katastrophe sei die diesjährige Grüne Woche, meinte Geschäftsführer Karl-Ernst Kulisch. Es habe praktisch keine Kaufgespräche gegeben, auch weil das für Sanatherm wichtige Publikum, gut situierte Bürger aus Berlin und dem Umland, der Messe immer häufiger fern bleiben würde.
