BERLIN/HANNOVER/BRAKE - Im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist nach einer Studie der Stiftung Warentest mehr als jeder dritte Zug unpünktlich. Auch auf jeder vierten Regionalstrecke komme der Fahrgast zu spät ans Ziel, teilte die Stiftung am Donnerstag mit.
Die Warentester definierten Züge als verspätet, die vier oder mehr Minuten später als geplant eintrafen. Bei der Bahn gelten mehr als fünf Minuten Verzögerung als Verspätung.
Für die Analyse hatte die Stiftung von Mitte September bis Ende Oktober die Ankunftszeiten von 94 000 Zügen an zehn großen Bahnhöfen über die Internet-Informationsseite der Bahn ausgewertet. Tage mit Lokführerstreiks wurden nicht berücksichtigt. Die Bahn sprach dennoch von einer Stichprobe, die „nicht repräsentativ“ sei. Die Monate September und Oktober seien auf dem Streckennetz die Hauptbauzeit, entsprechend gebe es dann mehr Verspätungen, sagte ein Sprecher.
„Die Ergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen“, sagte Eckhardt Ritter (Brake), Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Oldenburger Land, der NWZ . Auch im Nordwesten könnte die Pünktlichkeit besser sein. „Hauptgrund sind die zahlreichen Baustellen.“ Um im Zuge der Privatisierung möglichst gute Zahlen vorzulegen, habe die Bahn notwendige Sanierungen lange zurückgehalten, so dass sich Ende 2007 viele Baumaßnahmen aufgestaut hätten.
Das Wirtschaftsministerium in Hannover erklärte, die Ergebnisse seien nicht zufriedenstellend. Die Bahn müsse mehr in die Infrastruktur investieren, sagte Sprecher Andreas Beuge der NWZ . Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel kritisierte, die Bahn habe das Schienennetz vernachlässigt. „Die Kunden haben bei Verspätungen Anspruch auf eine teilweise Rückerstattung des Fahrpreises“, sagte er der NWZ . Der SPD-Bahnexperte Gerd Will forderte eine Entkopplung der engen Fahrplan-Takte.
