BERLIN/HANNOVER/OLDENBURG - In Deutschland wird jede fünfte Ausbildung vorzeitig abgebrochen (21,5 Prozent). Dies geht aus dem Entwurf des „Berufsbildungsberichts 2010“ hervor. In Niedersachsen liegt die Quote mit 19,1 Prozent (letzte Erhebung 2006) im Bundesschnitt. Die Bundesregierung zeigte sich besorgt über die mangelnde Ausbildungsreife viele Jugendlicher.

„Die Gründe für einen Ausbildungsabbruch sind vielfältig und können in einer falschen Berufswahl, aber auch in Konflikten zwischen Ausbildern und Auszubildenden liegen“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) dieser Zeitung. „Wichtig ist, dass man junge Menschen nicht nur möglichst früh für die richtige Ausbildung begeistert, sondern sie auch darin unterstützt, bei der Stange zu bleiben.“

Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, seien deshalb im Niedersächsischen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs Maßnahmen vereinbart worden, die Jugendlichen eine bessere Orientierung bei der Berufswahl böten und für eine bessere Ausbildungsreife sorgten, betonte Bode.

Auch bei der Regionaldirektion Niedersachsen/Bremen der Bundesagentur für Arbeit setzt man auf Ausbildungsberatung und Berufsorientierung. „Jede abgebrochene Ausbildung ist eine zu viel“, sagte Behördensprecher Michael Köster.

Im Oldenburger Land sind die Verhältnisse offenbar deutlich besser als bundesweit. Die Quote der Abbrüche liege im IHK-Bereich unter zehn Prozent, sagte der für Ausbildung zuständige Oldenburger IHK-Geschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt.


Auch Friedrich-Wilhelm Fimmen von der Handwerkskammer Oldenburg berichtete von einer „niedrigen Quote“, etwa 4,5 Prozent in der Probezeit (vier Monate). Dies sei auch auf mehr Informationsmöglichkeiten über Berufe an Schulen und bei der Kammer sowie Praktika zurückzuführen.

Die allermeisten abgebrochenen Lehrverhältnisse würden in der Probezeit beendet, und zwar je zur Hälfte von Arbeitgeber und Auszubildendem, erläuterte Hildebrandt. Mancher setze seine Ausbildung in anderen Betrieben oder Einrichtungen fort.

In den Schulen sei zur Berufsorientierung bereits viel gemacht worden, weiteres Potenzial bestehe u.a. in Realschulen. Verbesserungen seien aber ein „langsamer Prozess“, so die Kammern.

Speziell bei Jugendlichen aus Familien mit Migrationshintergrund sei oft die Sprache ein Problem. Firmen sollten Kenntnisse in einer Fremdsprache allerdings zuweilen auch als „Riesenchance“ im Vertrieb sehen, so Hildebrandt. Zudem könne „nicht jeder Jugendliche alles mitbringen“. Die Vorstellung von fehlender Ausbildungsreife sei teilweise auch ein Wahrnehmungsproblem. Die Bewerbungen, die Personalchefs auf den Tisch bekämen, seien immer häufiger blinde Mehrfachbewerbungen von schwachen Kandidaten.