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Papier aus dem Bundesarbeitsministerium Jeder zehnte Beschäftigte arbeitet auch sonntags

Birgit Marschall Büro Berlin

Berlin - Knapp ein Fünftel oder 18 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland können aufgrund hohen Arbeitsdrucks die gesetzlichen Ruhezeiten zwischen ihren Einsätzen häufig nicht einhalten. Das geht aus zwei Antworten des Bundesarbeitsministeriums auf schriftliche Fragen von Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl hervor.

Demnach beklagen sogar 28 Prozent oder knapp ein Drittel aller Beschäftigten den häufigen Ausfall der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen während der Arbeitstage. Das Ministerium beruft sich auf Daten des Mikrozensus sowie die regelmäßige Arbeitszeitbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA).

Kapazitätsengpässe

In vielen Branchen macht sich der Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel zunehmend bemerkbar. Das führt immer häufiger zu Kapazitätsengpässen und verschlechterten Arbeitsbedingungen. Vor allem in Gesundheits- und Sozialberufen, in der Gastronomie, im Verkehr oder im Einzelhandel können gesetzliche Ruhezeiten oft nicht eingehalten werden. Vorgeschrieben ist etwa zwischen zwei Arbeitstagen eine gesetzliche Ruhepause von mindestens elf Stunden, die immer häufiger verkürzt werden muss. Im Gesundheits- und Sozialwesen ist der Pausenausfall mit 43 Prozent am höchsten, wie aus den Daten hervorgeht.

Mehr Erwerbstätige

Im ersten Quartal 2022 ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland in der Jahresfrist so stark gestiegen wie seit 15 Jahren nicht mehr. 45,1 Millionen Arbeitnehmer und Selbstständige bedeuteten im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Zuwachs um 687 000 Menschen (+1,5 Prozent), berichtete das Statistische Bundesamt. Einen derart steilen Anstieg hatte es zuletzt im zweiten Quartal 2007 gegeben und war damals den Hartz-Reformen zugeschrieben worden.

Jeder zehnte Beschäftigte arbeitet der Antwort des Ministeriums zufolge auch an Sonn- und Feiertagen. Frauen und junge Beschäftigte seien davon besonders betroffen. Im Gastgewerbe wird mit 47,6 Prozent aller dort Beschäftigten am meisten Wochenendarbeit und mit 33,5 Prozent auch am meisten Abendarbeit geleistet. Insgesamt leisten 5,3 Millionen Beschäftigte oder knapp 14 Prozent Abend- und 1,6 Millionen oder 4,3 Prozent auch Nachtarbeit.

„Viele Arbeitnehmer sind zu Nachtarbeit, Sonn- und Feiertagsarbeit verpflichtet. Diese Arbeitszeiten schaden nachweislich der Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten und müssen deswegen eingedämmt, reguliert und kontrolliert werden“, sagte Ferschl. „Allerdings wird geltendes Recht in Bezug auf Ruhepausen und Ruhezeiten regelmäßig von den Unternehmen nicht eingehalten.“

Arbeitszeit erfassen

Helfen würde eine für alle Arbeitgeber verpflichtende Arbeitszeiterfassung. „Die Bundesregierung muss nun endlich das mittlerweile drei Jahre alte Urteil des EuGH umsetzen, ansonsten muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, die Gesundheit der Beschäftigten fahrlässig aufs Spiel zu setzen“, so Ferschl.

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