BERLIN - Der weltweite Biokraftstoffboom bedroht nach Einschätzung von Fachleuten zunehmend die sichere Versorgung mit Lebensmitteln und könnte zu neuen Hungersnöten in Entwicklungsländern führen. In Ländern wie Indonesien oder Malaysia würden immer mehr landwirtschaftliche Nutzflächen für den Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen wie Ölpalmen umgewidmet, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, Karin Kortmann (SPD).
„Die Kosten für Hirse und Weizen sind dadurch exorbitant gestiegen. Wenn wir nicht umsteuern, dann führt dies zu neuen Armutszyklen.“
Der Chef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, Peter Brabeck, warnte ebenfalls vor verheerenden Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. „Wenn man 20 Prozent des steigenden Erdölbedarfs mit Biotreibstoffen decken will, wie das geplant ist, dann gibt’s nichts mehr zu essen.“ Es sei unverantwortlich und moralisch inakzeptabel, dass man enorme Subventionen zahle, um aus Lebensmitteln Biotreibstoff zu machen.
Kortmann verwies auf Untersuchungen des „International Food Policy Research Institute“ in Washington, wonach bei jedem Prozentpunkt, um den die Nahrungsmittelpreise steigen, zusätzlich 16 Millionen Menschen auf der Welt von Hunger bedroht seien.
Die angestrebte hohe Beimischungspflicht von Biokraftstoffen gefährde Überlebensperspektiven für Millionen von Menschen.
Laut Brabeck verwenden die USA in diesem Jahr 138 Millionen Tonnen Mais nur für Biotreibstoff. Diese Menge fehle für die Lebensmittelproduktion und treibe die Preise nach oben. Landwirtschaftlicher Boden werde zum knappen Gut. „Ebenso Wasser, das uns auszugehen droht.“
