BERLIN - Bioprodukte haben in Deutschland längst die Marktnische verlassen: Kaum eine Drogerie, die neben Kosmetikartikeln und Fotoentwicklung nicht auch Ökokost anbietet. Kaum ein Supermarkt, der nicht mit der eigenen Bio-Linie wirbt. Nahezu jeder Deutsche packte nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung 2009 Lebensmittel mit dem Logo der grünen Bio-Wabe in seinen Einkaufskorb.
Für Fans der Öko-Ernährung dürfte das kontrovers diskutierte Urteil der „Stiftung Warentest“ bitter sein: Bioprodukte stehen demnach im Durchschnitt nicht besser da als herkömmliche Produkte – bei Kriterien wie Geschmack und Gesundheit. 45 Prozent der normalen Produkte bekamen eine gute oder sehr gute Bewertung, bei den Bioprodukten waren es 41 Prozent. Die Note „mangelhaft“ vergaben die Test an 15 Prozent der Bio- und an 14 Prozent der Standardlebensmittel. Dabei wurden 249 biologische und 1007 konventionelle Lebensmittel auf Schadstoffe, Keime, Geruch, Geschmack und Nachhaltigkeit geprüft.
Allerdings: Ihr größtes Versprechen, nämlich auf Schadstoffe zu verzichten sowie ökologische Verantwortung zu zeigen, erfüllte die durchschnittlich 30 bis 50 Prozent teurere Bioware ganz klar, wie die Tests bestätigten. Das Biosiegel der EG-Ökoverordnung verpflichtet zum Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, mineralischen Stickstoffdünger und vorbeugende Medikamente für Tiere. Dies, meinten Kritiker, sei beim Test der Publizierung der Ergebnisse untergegangen.
Die Biobranche will den Test und deren Methoden deshalb auch nicht überbewerten. „Bio bedeutet mehr als nur Geschmack“, meint etwa Thomas Dosch, Präsident des bundesweit größten Öko-Anbauverbands Bioland, gegenüber dieser Zeitung. „Ökologische Bewirtschaftung heißt auch Klima,- Wasser- und Bodenschutz sowie Artenvielfalt.“ Geschmack sei dagegen stets auch subjektives Empfinden.
Zudem engagierten sich die Biohersteller weit mehr als konventionelle Anbieter sozial und ökologisch. Nach Ansicht des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist diese Nachhaltigkeit für das Urteil über Lebensmittel ausschlaggebend: „Zur Gesundheit des Menschen gehört, dass die von ihm gekauften Lebensmittel umwelt-, tier- und ressourcenschonend erzeugt werden“, meinte Geschäftsführer Alexander Gerber.
In den Untersuchungen von „Stiftung Warentest“ schlägt sich aber auch ein insgesamt sorgsamerer Umgang mit Pestiziden nieder. So lagen etwa 91 Prozent herkömmlicher Tees und Früchte unter den gesetzlichen Höchstgehalten. Tendenziell sinke die Schadstoffbelastung.
„Die konventionelle Landwirtschaft arbeitet heute auch anders als vor 20 Jahren“, sagt der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes, Michael Lohse. Das Motto „viel hilft viel“ gelte beim Düngen und Pflanzenschutzmittel nicht mehr. 5 bis 6 Prozent der Landwirte produzierten Bioware.
