BERLIN - Darf die so genannte ESL-Milch, die durch Mikrofiltration länger haltbarer gemacht wurde und die u.a. auch von der Molkerei Ammerland angeboten wird, als Frischmilch im Handel verkauft werden? Grüne und Verbraucherschützer sagen Nein und kritisieren scharf die Selbstverpflichtung von Einzelhandel und Milchwirtschaft, wonach der Verbraucher beide Sorten künftig an der Verpackungskennzeichnung „traditionell hergestellt“ (herkömmliche Frischmilch) und „länger haltbar“ (ESL-Milch) unterschieden soll.

„Die geplante freiwillige Kennzeichnung von ESL-Milch mit der Aufschrift ,länger haltbar‘ schafft keine Klarheit für die Verbraucher. Es wird nicht deutlich, dass es sich um hocherhitzte Milch mit weniger Vitaminen und Geschmack handelt“, bemängelt Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. „Wir halten die vereinbarten Begriffe für irreführend. Die Bezeichnung ,Frischmilch‘ sollte der pasteurisierten Milch vorbehalten bleiben“, erklärt Stefan Etgeton von der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Das CSU-geführte Verbraucherministerium ist mit der gewählten Kennzeichnung zufrieden, will aber nach einem Jahr deren Wirksamkeit überprüfen und dann gegebenenfalls eine nationale Kennzeichnungsordnung erlassen. FDP-Agrarpolitiker Michael Goldmann befürwortet die Selbstverpflichtung der Wirtschaft: „Die Verantwortung und die Entscheidung zur Kennzeichnung sollte ganz klar in den Händen der Wirtschaft liegen.“