BERLIN - Geht es nach den Verkehrswissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Dresden, so ist die Sache klar: Deutschland muss sich mit einer Magnetschwebebahn um die Hochgeschwindigkeitsstrecke in Brasilien bewerben. „Sie ist schneller und erheblich kostengünstiger im Bau“, sagte am Montag Prof. Dr. Rainer Schach, Vorstand im Kompetenzzentrum für Hochleistungsbahnen und Magnetbahnsysteme an der TU.

Doch nicht die Wissenschaftler treffen die Entscheidung, sondern Vertreter der am Transrapid beteiligten Unternehmen Siemens, Thyssen-Krupp, Max Bögl und IABG. Sie treffen sich an diesem Dienstag in Berlin mit Vertretern des Bundesverkehrsministeriums. Thema: Die Bewerbung um das Projekt in Brasilien und damit vermutlich auch die Perspektiven der Technologie in Deutschland insgesamt.

„Das Projekt in Brasilien ist auch entscheidend für die Zukunft der Versuchsanlage im Emsland“, meint etwa Prof. Dr. Johannes Klühspies, Präsident des Vereins International Maglevboard. Die Finanzierung der Anlage ist nur noch bis Ende des Jahres gesichert.

Das milliardenschwere Projekt „Trem de Alta Velocidade“ (TAV), so die Bezeichnung in Brasilien, soll die beiden Me-tropolen Rio de Janeiro und Sao Paulo verbinden und von dort bis nach Campinas weitergeführt werden. Die Mitte Juli eröffnete Ausschreibung für die rund 520 Kilometer lange Strecke ist systemoffen, das heißt, sowohl herkömmliche Schnellzüge auf Rad-Schiene-Basis wie der deutsche ICE oder der französische TGV als auch Magnetschwebebahnen wie der Transrapid können sich bewerben. Am 16. Dezember 2010 soll über die Vergabe entschieden werden. Die Strecke soll zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro betriebsbereit sein.

Ob es zu einer deutschen Bewerbung mit dem Transrapid kommt, gilt als offen. Während Max Bögl und IABG eine Bewerbung offenbar befürworten, soll laut Branchenkennern vor allem Siemens auf die Bremse treten. Der Münchner Konzern erwägt eine eigene Bewerbung mit einer Variante des ICE. Ein Grund laut Branchenexperten: Mit langjährigen Verträgen über Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten bei Rad-Schiene-Systemen lassen sich höhere Umsätze erzielen.


Die Konkurrenz dürfte überdies groß sein. Verkehrsexperten erwarten, dass sich neben deutschen und französischen Unternehmen auch japanische und chinesische an der Ausschreibung beteiligen könnten. Vor allem Pläne aus China könnten für Aufsehen sorgen: Ein Konsortium des Landes will mit einer eigenen Magnetschnellbahn antreten – auf Basis des technischen Prinzips des Transrapids.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft