BERLIN/OLDENBURG - 40 bezahlte freie Tage im Jahr, Nummer Zwei in Europa bei Urlaub und Feiertagen für die Deutschen – das lässt der Wirtschaft keine Ruhe. „Die Arbeitnehmer in Deutschland müssen mehr Ferien- und Freizeit in Weiterbildung investieren“, meldete sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, jetzt zu Wort.

„Wir haben zusammen mit Schweden die meisten Urlaubs- und Feiertage – da ist genug Luft für beides: Erholung und Weiterbildung“, folgerte Wansleben aus einer Untersuchung, laut der die Deutschen nach Schweden (43 Tage) in punkto Freizeit vorne liegen. Das sei geboten, auch vor dem Hintergrund des Mangels an Fachkräften.

Zustimmung gab es aus dem Arbeitgeberlager. „Durch Weiterbildung investieren auch die Mitarbeiter in ihre eigene Zukunft“, sagte Dirk Heitkötter, Sprecher des Arbeitgeberverbands Oldenburg. Da die Unternehmen massiv in Weiterbildung investieren, könne auch eine gewisse Gegenleistung der Arbeitnehmer erwartet werden.

Auf Ablehnung stieß der Vorstoß dagegen beim arbeitsmarktpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralf Brauksiepe: „Es gibt keinen Anlass, auf tarifliche Urlaubsansprüche zu verzichten.“ Es gebe in diversen Bundesländern einen Anspruch auf Bildungsurlaub, der aber „relativ wenig“ in Anspruch genommen werde.

Sein SPD-Kollege Klaus Brandner lehnte gegenüber unserer Berliner Redaktion ebenfalls strikt ab: „Die Arbeitsdichte und die Produktivität beim Exportweltmeister Deutschland sind so hoch, dass der Urlaub dringend zur Regeneration benötigt wird.“ Die Gewerkschaften wiesen darauf hin, dass man ohnehin in dieser Frage in verschiedenen Tarifbereichen schon Zugeständnisse gemacht habe. „Es kann aber nicht angehen, dass grundsätzlich Weiterbildung in die Urlaubszeit verlegt wird“, sagte Jannette Scheele, Gewerkschaftssekretärin bei „Verdi“ Weser-Ems.


Wansleben selbst wurde am Freitag von der Frage, was er in seinem Urlaub denn unternehme, sichtlich überrascht und fand doch noch eine Antwort: „Englische Krimis lesen, um in der englischen Sprache drin zu bleiben“, sagte er, und ansonsten „14 Tage Urlaub auf dem Wasser“. Mit dieser Soft-Variante von Fortbildung im Urlaub dürften sich die meisten anfreunden können.