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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

EWE erreicht Meilenstein bei Bau von Mega-Batterie

23.11.2017

Berlin /Oldenburg Die EWE hat kürzlich den Bau der größten Batterie der Welt angekündigt – in ihren Salzkavernen. Und sie kommt auf dem Weg dorthin gerade einen wichtigen Schritt voran. „Wir haben einen wichtigen Meilenstein erreicht“, sagte Projektleiter Ralf Riekenberg am Mittwoch in Berlin.

Konkret steht jetzt fest, dass in bisherigen Gas-Kavernen der EWE aus der vorhandenen Sole und hinzugefügten Molekülen (Polymeren) tatsächlich jene Flüssigkeit geschaffen werden kann, in denen eines Tages Strom für Zigtausende Haushalte gespeichert werden soll. „In aktuellen Tests wurden alle Anforderungen erfüllt“, erläuterte Peter Schmidt, Geschäftsführer der federführenden EWE Gasspeicher GmbH, in Berlin.

Somit konnte eine weitere Stufe auf dem Weg zur Mega-Batterie (Projektname: ­brine4power) eingeleitet werden: In der Hauptstadt wurden mit den Partnern aus der Forschung bei einer Art „Kick-off“-Veranstaltung jetzt die konkreten weiteren Arbeitspakete abgesprochen. Denn man ist mit dem Riesen-Projekt weitgehend auf Neuland unterwegs – technisch, organisatorisch und auch von den politisch gesetzten Rahmenbedingungen her. Und die Zeit läuft. Die Inbetriebnahme der größten Batterie der Welt wird für Ende 2023 angepeilt. Sie soll, wie Schmidt und Riekenberg durchblicken ließen, möglichst in Jemgum an der Ems entstehen.

PDF-Grafik: Wie die Super-Batterie funktioniert.

Dort (sowie in Nüttermoor bei Leer, Huntorf bei Elsfleth und Rüdersdorf in Brandenburg) hat die EWE bereits die nötige Basis-Infrastruktur: ihre 38 Kavernen, die bisher meist für Gas genutzt werden. Bereits 2019 könnte laut Schmidt und Riekenberg in Jemgum eine Testanlage entstehen.

Das Stromspeicher-Projekt basiert auf dem bekannten Prinzip der Redox-Flow-Batterie, bei der eine spezielle Flüssigkeit, die bewegt wird, elektrische Energie aufnehmen und abgeben kann. Das bereits gesättigte Salzwasser (Sole) in den Kavernen ist dazu allein nicht ausreichend fähig. Von zentraler Bedeutung seien zugefügte organische Polymere, erläuterte Professor Ulrich Schubert (Universität Jena), mit dessen Institut „Center for Energy and Environmental Chemistry“ die EWE kooperiert.

Konkret geht es um spezielle Kunststoffverbindungen, die in dem gesättigten Salzwasser gut löslich sind. Sie sollen sich chemisch und elektrochemisch stabil verhalten, Elektronen (Träger des Stroms) langfristig binden – sowie diese bei Bedarf auch wieder abgeben können. „Diese speziellen Anforderungen haben die von der Friedrich-Schiller-Universität weiterentwickelten Polymere in den nun durchgeführten grundlegenden Vorversuchen mit Original-Sole von EWE erfüllt“, konstatierte der Jenaer Professor am Mittwoch in Berlin. Man habe quasi „das Kochrezept“ für das Projekt, hieß es am Rande der Veranstaltung in Berlin.

Trotz dieses Erfolges seien noch viele Fragen zu klären, sagte Projektleiter Ralf Riekenberg. Auch die Politik sei gefordert: Ein gesetzlicher energiewirtschaftlicher Rahmen für einen solchen fehle noch. Nach gegenwärtiger Rechtslage werde „brine4power“ nicht als Energiespeicher, sondern „als Letztverbraucher von Energie eingestuft“. Dann würde das revolutionäre Energiewende-Projekt, das Strom bei Produktionsüberschüssen aufnehmen und bei Bedarf abgeben könnte, mit allen möglichen Endverbraucher-Abgaben wie Netzentgelten, EEG-Umlage und Stromsteuer belastet.

Das, meinten die Beteiligten dann auch bei ihren Gesprächen in Berlin, könne ja wohl nicht sinnvoll sein. Die Speicherung von Strom im großen Stil und auch längerfristig werde auf dem weiteren Weg der Energiewende immer wichtiger, sagt EWE-Gasspeicher-Chef Peter Schmidt. Er sieht hier ein neues Geschäftsfeld.

Und es geht um noch mehr. Nicht nur der Jenaer Professor Schubert entwickelt gerade die Vision, wieder „eine komplette Batterieproduktion in Deutschland zu etablieren“, inklusive einer kompletten Wertschöpfungskette.

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EWE | Friedrich-Schiller-Universität Jena