BERLIN - BERLIN/AFP - Die Unzufriedenheit von Bankkunden hat offenbar deutlich zugenommen: Im vergangenen Jahr gingen bei dem Ombudsmann der privaten Banken 4260 Beschwerden ein, das waren fast doppelt so viele wie 2003. Das sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Harald Noack, in Berlin bei der Vorstellung des Jahresberichts des Ombudsmanns.
Besonders oft beschwerten sich Kunden demnach über Kreditgeschäfte, etwa über die Verweigerung oder Kündigung von Krediten. Hierauf entfiel fast die Hälfte der Eingaben. Aber auch Gebühren für die Kontoführung und fehlerhafte oder verspätete Überweisungen waren Grund für Kundenklagen.
Für den Bankenverband ist die Verdopplung der Beschwerden ein „singuläres Ereignis“. Noack führte dies auf die gesetzliche Verjährungsfrist für zivilrechtliche Ansprüche zurück, die seit dem 1. Januar 2002 nur noch drei statt zuvor 30 Jahre beträgt. Daher seien im Dezember 2004 fast doppelt so viele Beschwerden wie bisher eingelaufen.
Insgesamt bearbeiteten die vier Ombudsmänner im Auftrag der privaten Banken bis Ende September rund 3300 Beschwerden aus dem vergangenen Jahr, von denen sie allerdings nur 1870 als zulässig akzeptierten. Von diesen wurden rund 1040 zu Gunsten der Kunden entschieden, in rund 750 Fällen entschieden die Ombudsleute zu Gunsten der Bank. In 77 Fällen wurde ein Vergleich angeregt.
Neun von zehn Unternehmern haben einer Umfrage zufolge schon einmal fehlerhafte Abrechnungen ihrer Bank moniert. Rund 85 Prozent der 1500 Befragten hätten zum Beispiel zeitverzögerte Gutschriften beanstandet, ergab eine Umfrage des Wirtschaftsmagazins „Capital“ und des Bundesverbandes der Selbstständigen (BdS). Dem Magazin zu Folge werden Unternehmen und Privatkunden mit verzögerten Wertstellungen, falsch berechneten Zinsen und unerlaubten Gebühren um Milliarden-Beträge geschädigt.
