Berlin - Auch die jüngsten Rekordzahlen bei Daimler können die Zukunftssorgen vieler Aktionäre des Autobauers nicht vertreiben. Diesel-Skandal, Kartell-Vorwürfe, geplanter Konzernumbau und die Herausforderungen der Elektromobilität – stundenlang mussten Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Berlin Fragen der Anteilseigner zu den Dauerbrennern der vergangenen Monate beantworten. Die Aktionäre fürchten unter anderem hohe Strafzahlungen im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal sowie für den Fall, dass Daimler die in Zukunft geltenden CO 2 -Ziele der EU für Mercedes-Benz-Fahrzeuge nicht einhalten kann.

Viel Redebedarf hatten die Aktionäre auch zum Einstieg des Gründers des chinesischen Autokonzerns Geely, Li Shufu, bei Daimler. Der Milliardär hatte Anfang Februar knapp zehn Prozent der Anteile gekauft und war damit auf einen Schlag größter Einzelaktionär geworden. Die Nachfragen brachten aber kaum Neues zu den Folgen ans Licht. Vorstandschef Dieter Zetsche und sein Finanzvorstand Bodo Uebber trugen wiederholt eine vorbereitete Sprachregelung dazu vor, wonach sie Li in erster Linie als Aktionär betrachten.

Viel Kritik gab es auch an der unterdurchschnittlichen Entwicklung des Aktienkurses. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment verwies auf Sorgen am Kapitalmarkt, dass es angesichts der Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr nicht mehr besser werden könne und nach den fetten auch wieder magere Jahre kämen.

Vor allem vom Wachstum in China getrieben, hatte Daimler 2017 so viele Fahrzeuge wie noch nie verkauft – was letztlich auch zu Bestwerten in der Bilanz führte. Bei einem Umsatz von 164,3 Milliarden Euro (plus sieben Prozent) machte der Dax-Konzern einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 14,7 Milliarden Euro – 14 Prozent mehr als im Jahr davor.

Zetsche warnte die Aktionäre schon einmal vorsichtig vor den Folgen, die die massiven Investitionen in die Elektromobilität auf die Bilanz der kommenden Jahre haben könnten. „Mehr Elektroautos sind gut für die CO 2 -Bilanz. Aber nicht so gut für unsere Konzern-Bilanz – jedenfalls vorübergehend“, sagte er.