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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Untersuchungsausschuss: Wie eine Platte mit Sprung

20.11.2020

Berlin Es ist eine Szene wie in einem großen Gerichtsprozess – doch sie spielt sich ab im Deutschen Bundestag: Unter dem Klicken der Kameras wird ein Untersuchungshäftling vorgeführt. Der frühere Chef des Skandalkonzerns Wirecard muss, so hat es ein Gericht entschieden, persönlich vor dem Untersuchungsausschuss in Berlin aussagen.

Es geht um den wohl größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte und um eine mögliche Verstrickung der Politik. Im dunkelblauen Anzug mit dunkelblauem Rollkragenpullover stellt sich Markus Braun am Donnerstag den Fragen der Abgeordneten – und sagt: fast nichts.

Dabei beginnt es vielversprechend: „Mein Name ist Markus Braun, ich bin 51 Jahre alt, ich wohne derzeit in der JVA Augsburg“, sagt er. Was er nicht sagt: Braun gilt als einer der Hauptverantwortlichen des Mega-Betrugsskandals, bei dem das deutsche Fintech-Unternehmen Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll.

Kontakte zur Politik?

Die Abgeordneten erwarten überhaupt nicht, dass der Ex-Manager hier im Ausschuss mögliche kriminelle Machenschaften gesteht. Zeugen müssen sich nicht selbst belasten. Sie wollen Braun vor allem zu seinen Kontakten zu Politik und Behörden befragen.

Das Unternehmen war ein Dienstleister für bargeldlose Zahlungen etwa an der Ladenkasse. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen machte Wirecard jahrelang Verluste. Laut Münchner Staatsanwaltschaft wurden seit 2015 Scheingewinne auswiesen. Die Wirtschaftsprüfer von EY bemerkten offenkundig nichts. Allein Banken und Investoren verloren den Ermittlern zufolge mehr als drei Milliarden Euro – ganz zu schweigen vom Schaden für die Aktionäre.

Braun sagt zu all dem am Donnerstag nur eines: Behörden, Aufsichtsstellen und Politiker hätten nichts falsch gemacht, sich zu keiner Zeit nicht korrekt, pflichtwidrig oder unlauter verhalten. Gleiches gelte für den Aufsichtsrat und die Wirtschaftsprüfer, die „offenbar massivst getäuscht“ worden seien.

Dann inszeniert er ein Spiel gegen eine Mauer. Denn Braun sagt nichts mehr. Auf jede Frage der Abgeordneten verweigert er die Aussage. „Ich werde mich heute nicht weiter einlassen.“ „Ich bleibe bei meinem Statement.“ Stundenlang. Selbst einfache Fragen wie die des Linken-Abgeordneten Fabio De Masi („Ist es zutreffend, dass Sie eine Tochter haben?“) beantwortet Braun nicht.

Mangelnder Respekt

Braun lasse jedweden Respekt vermissen, kritisiert der Unions-Abgeordnete Matthias Hauer. Die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe fragt Braun, ob ihm bewusst sei, dass sein Schweigen „Menschen mit in den Abgrund zieht“. Die Antwort können die Abgeordneten zu diesem Zeitpunkt bereits mitsprechen: „Ich werde mich nicht abweichend zu meinem Statement äußern.“

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