BERNE - „Wir Frauen lassen uns das hier nicht mehr bieten“, sagt Irmgard Gau. „Jeden zweiten Tag stehen ich und meine Nachbarinnen hier in der Deichstraße und fegen den Schlamm und das Wasser weg. Und das alles, weil Straße und vor allem die Regenrinne einfach völlig kaputt sind.“
Begonnen habe alles mit der Deicherhöhungsmaßnahme im vergangenen Jahr. „Im Zehn-Minuten-Takt fuhren die Lastwagen, die die tonnenschwere Kleie anlieferten, hier entlang. Für solche Gewichte ist die Straße nicht ausgelegt. Sie ist abgesackt, und auch die Regenrinne.“
Schon zu dieser Zeit hätten sie und ihre Nachbarinnen sich mehrmals beim I. Oldenburgischen Deichband beschwert. „Da war aber nie jemand zu sprechen.“ Die Gullys an der Straße hätten zu dieser Zeit schon gar kein Wasser mehr aufnehmen können, da sie durch die Beschädigung höher lagen als die Rinne. „Endlich kam dann der inzwischen abgelöste Vorsteher des I. Deichbandes, Christel Bohn, und sah sich die Sache gemeinsam mit einem Vertreter des Straßenbauamtes an“, erzählt Irmgard Gau. „Dann allerdings passierte nichts.“ Dreck und Schmutzwasser seien weiter in die Gärten und auf den Hof gelaufen.
Als der Deichbau von Warfleth aus begann, wurde dann sämtliches Baumaterial vor Irmgard Gaus Haus abgeladen. „Natürlich mit schwerem Gerät und schweren Erschütterungen. Und Schäden an der Straße.“ Beschwerden beim Deichband wären im Sande verlaufen. „Dann kam auf einmal ein Brief: Der Deichband teilte uns mit, dass eine Erhöhung und Verstärkung des Deiches erfolgen wird. Als wäre uns das noch nicht aufgefallen.“ Eine Beweissicherung wurde angesetzt. Am 25. September diesen Jahres machten sich der neue Vorsteher des Deichbandes, Cord Hartjen, und ein Bauingenieur ein Bild von den Schäden. „Bei dem Termin haben wir auch darauf hingewiesen, dass der Deich immer noch nicht besät wurde. Das wurde erst auf unser Drängen angeordnet“, so Gau. „Auch waren viele Gräben von der Kleie verschüttet und mussten geöffnet werden. Auch darauf mussten wir hinweisen.“ Nach dem Termin wurde vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) in Brake
angeordnet, eine Verwallung am Deichfuß und der Trift anzubringen. „Es wurde ein provisorischer Wall errichtet“, sagt Gau. „Dann kam am 11. Oktober ein starker Gewitterregen. Der Wall löste sich, und das Wasser floss auf die Grundstücke. Herr Hartjen half dann selbst, Sandsäcke an der Trift zu stapeln.“
Wieder griffen Gau und ihre Nachbarinnen zu den Besen. Die meisten Sandsäcke wurden zwischenzeitlich wieder entfernt. Inzwischen ist bekannt, dass die Trift auf den Deich erneuert werden muss. „Dann geht alles wieder von vorn los“, befürchtet Gau. „Bis jetzt hat uns noch niemand informiert. Und das lassen wir uns nicht noch einmal gefallen.“
Der Vorsteher des I. Oldenburgischen Deichbandes, Cord Hartjen, bedauert das Geschehen. „Es ist in der Kommunikation nicht alles optimal gelaufen“, räumte er am Dienstag gegenüber der NWZ ein. „Wenn die Erhöhung an der Warflether Kirche fortgeführt wird, werden wir eine Versammlung einberufen und alle Anlieger informieren.“
Beim NLWKN in Brake war zu erfahren, dass die Straße in den nächsten zwei Wochen repariert werde. „Es sind Schäden da, und die werden ausgebessert“, sagte Markus Bolt. Dass weiter Kleie vom Deich gespült wird, sieht er nicht. „Die Verwallung ist stabil genug“, sagte er.
Doch das glaubt Irmgard Gau nicht. „Schon 1982 ist ein frisch angelegter Deich an dieser Stelle nach unten gekommen“, erinnert sie sich.
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