Berne - Eine muntere Truppe ist es, die jeden Morgen bei Rudi Schmidt Einzug hält. Schon um 6.30 Uhr klingelt das erste von fünf Tageskindern. Gemütlich wird dann in einem Buch geschmökert, gepuzzelt oder mit Lego gespielt, bis nach und nach der Rest der Kinder eingetroffen ist.
Um 9.15 Uhr ist Frühstückszeit und die Ein- bis Dreijährigen versammeln sich ganz ohne das Chaos, das man bei so vielen Kleinkindern vielleicht vermuten würde, um den großen Esstisch in der Küche. Sogar die Kleinste, die erst im November ein Jahr alt geworden ist, weiß, dass Spielzeug dabei nichts zu suchen hat. Stattdessen wird sich munter unterhalten und gegebenenfalls das eine oder andere Teil aus den mitgebrachten Brotdosen getauscht.
Bis zur Obstpause oder zum Mittagessen, zu dem dann auch die beiden Söhne des Hauses eintrudeln, wird gespielt, im Garten getobt, gebastelt oder mit dem Bollerwagen die Hühner und Enten in der Nähe besucht. Das Mittagsschläfchen findet, falls nötig, warm eingepackt im Kinderwagen im Freien statt.
„Ich lege viel Wert auf das Einhalten von Ritualen“, verrät der gebürtige Berner sein Erziehungskonzept, das ganz offensichtlich bestens bei seinen kleinen Gästen ankommt. Deren Eltern schätzen neben der liebevollen Betreuung die Flexibilität und Verlässlichkeit sehr. Wurde Schmidt als Tagesvater zu Beginn seiner Arbeit noch skeptisch beäugt, gibt es inzwischen eine Warteliste.
Mindestens ein Jahr bleiben die Mädchen und Jungen in der Regel bei ihm, so dass sich eine feste Gruppe bildet, in der sich alle gut aufgehoben fühlen. Nach dem dritten Lebensjahr geht es dann meistens in den Kindergarten.
Vor rund zwei Jahren entschloss sich der gelernte Landwirt, der 23 Jahre im Außendienst tätig war, seinen Job an den Nagel zu hängen und mit etwas ganz Neuem zu beginnen. Seine Familie hatte er dabei von Anfang an hinter sich. Er besuchte den 160 Stunden umfassenden Kurs für Tagespflegepersonen in der Wesermarsch und wandelte sein einstiges Büro in ein Spielzimmer um.
Bereut habe er diesen Berufswechsel nicht, schwärmt der Familienvater und betont, dass die Zusammenarbeit mit dem Familien- und Kinderservicebüro (FuKS) in Berne und dem Landkreis bestens klappt. Die Betreuung suchenden Eltern können dort einen Erstantrag stellen. „Abgerechnet wird über den Landkreis. Und der zahlt immer pünktlich“, lobt Schmidt.
Wer jetzt auch Lust bekommen hat, als qualifizierte Tagespflegeperson zu arbeiten, hat die Möglichkeit vom 9. April bis zum 23. Juni einen Kurs in der Begu-Lemwerder zu absolvieren. Auskünfte dazu gibt es in allen FuKs-Büros.
