Berne - „Wenn mir das jemand vor einem Jahr gesagt hätte“, lacht Birgit Rath. Einmal zu den Dauercampern zu gehören, konnte sie sich bis vor kurzem eigentlich gar nicht vorstellen, gesteht sie schmunzelnd. Doch nach einem Campingwochenende in Dangast revidierten die Rastederin und ihr Partner diese Meinung. Denn der Kurzurlaub vom Alltag gefiel dem Paar so gut, dass es sich spontan entschied, einen Wohnwagen anzuschaffen und einen Platz zu suchen.
Den Campingplatz Juliusplate kannte Birgit Rath von früher, als ihre Kinder noch klein waren. Sie und Thomas Smidt hatten Glück, dort im Juni noch einen der letzten freien Saisonplätze zu bekommen. Jedes zweite Wochenende verbringen sie seitdem in Berne, um vor allen Dingen abzuschalten vom stressigen Alltag.
„Man vergisst hier wirklich alles und ist einfach mal weg“, schwärmt die freiberufliche Hebamme. Dem Paar, das zwei Hunde hat, gefällt neben der Ruhe und dem Strand der alte Baumbestand. „Wir schätzen sehr, dass das hier kein Partyplatz ist und die Wohnwagen nicht in Reih und Glied stehen“, sagt Thomas Smidt. Hierher zu kommen sei jedes Mal wie Urlaub – und das nach nur einer halben Stunde Fahrt.
Ungefähr genauso weit, nur aus der anderen Richtung, war auch die Anreise von Familie Godehus. Mutter, Vater, Sohn und Freundin sowie Familienhund „Kalle“ haben für knapp eine Woche ihr großes Zelt in Berne aufgeschlagen. Vor fünf Jahren sei er mit Freunden zum Angeln hier gewesen, berichtet Jan Godehus. Er bevorzuge kurze Reisewege. Das sei umweltfreundlicher und schone die Nerven, so der Bremer, dessen Familie nun genauso begeistert von dem Campingplatz und seiner herrlichen Lage ist wie er. Besonders der Sandstrand gefällt der Familie gut. „Campen entschleunigt. Das ist so gemütlich“, so die Erfahrung von Katrin Godehus, der besonders die Ruhe und die fernseherlose Zeit gefallen.
Ganz spontan ist eine Gruppe aus Cloppenburg übers Wochenende angereist. Sechs befreundete Erwachsene und sechs Kinder haben in mehreren Zelten ihr Lager aufgeschlagen. Der Spielplatz und dass die Kinder hier einfach so laufen können, gefalle ihnen sehr gut. Aber auch die Nähe zum Wasser, schwärmen zwei der Mütter, während sie sich von ihren Männern mit Gegrilltem verwöhnen lassen. „Wir kommen wieder und dann aber auf jeden Fall länger“, versprechen sie.
Nur auf der Durchreise ist dagegen Familie Spehr. Zum neunten Mal ist die Thüringer Familie im Sommer mit dem Rad unterwegs. Der heute 15-jährige Sebastian fuhr von Anfang an selbst mit seinem Gepäck, verrät seine Mutter. In Eschwege (Hessen) wurde dieses Mal gestartet, um erst ein Stück der Werra und dann erstmals der Weser bis ans Meer zu folgen. Unterwegs treffe man immer dieselben Leute, die ebenfalls den Weserradweg fahren, so die amüsierte Feststellung. Pannen hatten die Spehrs bis jetzt zum Glück keine. Und auch der Wind, die Berge des Nordens, wie unter Radlern gescherzt wird, hielt sich bisher in Grenzen. In dieser Woche nun soll Cuxhaven erreicht sein, so der Plan. Und dort wolle man dann auch ein paar Tage länger ausspannen, bevor es mit dem Zug wieder in die Heimat geht.
Die Rindviecher, die gerade auf die Weide getrieben wurden, seien jetzt das I-Tüpfelchen, die die Idylle am Weserstrand perfekt machen, ist Barbara Schweder nach wie vor von ihrem Campingplatz begeistert. An Gästen mangelt es ihr und ihrem Mann Thomas nicht. Bis auf einen winzigen Stellplatz seien alle Saisonplätze belegt. „Aber für Spontanurlauber, wenn sie nicht gerade ein riesiges Wohnmobil haben, finden wir in der Regel immer etwas“, ist die Campingplatzbetreiberin zufrieden.
Noch herrscht an der Juliusplate Hochbetrieb, doch der Termin fürs Abcampen steht bereits, so Thomas Schweder. Mit Gegrilltem und Laternenlauf für die Kinder soll am 13. September mit Gästen und Dauercampern der Saisonabschluss gefeiert werden.
