BERNE - Jetzt wird es etwas zynisch: Über Jahre hinweg zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit rund „nur“ 850 Millionen hungernde Menschen. Und man war froh, dass es nicht mehr waren. Seit 2007 verzeichnet die WHO allerdings einen Anstieg auf nunmehr 925 Millionen Hungernde, so der grüne Bundestagsabgeordnete Thilo Hoppe beim „Grünen Salon“ in der Kulturmühle. Verantwortlich dafür seien der Klimawandel, falsche Subventionen („Hochsubentionierter US-Mais schlägt in Mexiko einheimische Sorten“) sowie der wachsende Hunger nach Bio-Sprit.

In der Mühle diskutierte Hoppe mit Arndt Schwarting (Landwirt und Betreiber einer Biogasanlage in der Gemeinde Ganderkesee) sowie Uwe Baumert (Nabu-Niedersachsen) über das Thema „Biosprit statt Reis und Brot – Hungerkrise weltweit“. Moderiert wurde der gut besuchte Abend von Dr. Thea Dückert (MdB/Grüne).

Dass auch in der Region aus nachwachsenden Rohstoffen Strom und Wärme gewonnen wird, legte Schwarting dar. „Gefüttert“ wird seine Biogasanlage jährlich mit zwölf Tonnen Maissilage, Gülle und Mist. Rund 50 Landwirte liefern zu. Baumert (Nabu) hingegen warnte vor riesigen Monokulturen für „Nachwachsende-Rohstoffe-Anlagen“. Diese verdrängten Tiere und Pflanzen.

Überdies sei Biosprit aus Raps und Ethanol „destraströs“ – der Effizienzgewinn liege bei maximal 20 Prozent. Baumert warb für einen Umstieg auf Biokraftstoffe – gewonnen allerdings aus fester Biomasse (z. B. Holz, Stroh) und nicht aus Ölfrüchten.