BERNE - 8000 Kilometer von Berne entfernt liegt das russische Irkutsk. Dorthin verschlug es vor mehreren Jahren Pastor Thomas Grote, der zunächst als Forstwirt tätig war. Über den Holzhandel knüpfte er erste Kontakte und schon bald wurde ihm klar, dass ihm soziale Arbeit wichtiger ist. Er holte sein Theologiestudium nach und darf sich seit 2006 Pastor nennen.

Am Sonntagmorgen war Grote zu Gast im Berner Gemeindehaus, um von seinem Projekt „An einem Strang ziehen“ aus Irkutsk zu berichten. Dorthin geht dieses Jahr der Erlös vom Berner Hungermarsch über 1100€ Euro. Seit 1975 konnten durch die Einnahmen von Hungermarsch und Basar insgesamt 242 661€ Euro an zahlreiche Projekte gespendet werden. Damit ist aber nun Schluss, denn der Hungermarsch, den erst Dieter Harde und später Rolf Morisse organisiert hatte, ist eingestellt worden.

Harde, der über viele Jahre hinweg ein bemerkenswertes ehrenamtliches Engagement an den Tag gelegt hat, ist dankbar für viele tolle Begegnungen. Er betonte die Wichtigkeit solcher Aktionen für die Gemeinde. Mit Sicherheit sei der Erlös in den Händen von Pastor Grote gut angelegt.

Als Missionar des evangelisch-lutherischen Missionswerks, das in Berne durch Stephan Liebner vertreten wurde, hat Grote in Irkutsk schon einiges bewirkt. Er berichtete über die schlechten Verhältnisse, in denen viele Kinder aufwachsen. Sie verbrächten viel Zeit auf der Straße, kämen in Kontakt mit Drogen und hätten wenig Perspektiven. Mit Zelten ist Grote anfangs mit Jugendlichen durch die Wälder gezogen. Später richtete er eine Suppenküche ein, da es vielen Kindern an Essen mangelte, berichtete er.

Dennoch bemerkte er schnell, dass dies langfristig nicht half. So kam ihm die Idee, den Kindern zu lehren, wie Gemüse angebaut wird. Zudem kaufte er einige Kühe und Schweine. Daraus entwickelte sich allmählich ein ganzer Bauernhof, auf dem mittlerweile schon viele Jugendliche ihre Freizeit verbracht haben. Später wurde die Arbeit ausgeweitet, indem auch körperlich behinderte Kinder aufgenommen wurden. Sie sollten die Chance bekommen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Von Skeptikern, die seine Arbeit als „religiöse Propaganda“ bezeichneten, ließ sich Pastor Grote nicht entmutigen.


Heute sind drei Pädagogen auf dem Bauernhof beschäftigt. 130 Pfadfinder sowie 35 geistig behinderte Kinder sind in das Projekt involviert. Tolle Erfolge, für die sich mehr Märsche gegen den Hunger lohnen würden.