BERNE/LEMWERDER - Die Freunde der Windenergie setzen vermutlich auf Michail Gorbatschow. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, hatte der ehemalige Präsident der Sowjetunion 1989 gesagt. Angst zu spät zu kommen, haben auch die Betreiber von Windparks und Investoren, die ihr Geld in regenerative Energien stecken.

Kaum, dass der Landkreis Wesermarsch in Berne, Elsfleth und Ovelgönne mögliche Flächen für die Aufstellung von Windkraftanlagen ausgemacht hatte, kam in der Branche Goldgräberstimmung auf. Allein in Bernebüttel hält der Kreis ein Gebiet für die Errichtung von bis zu zwölf 2,3 Megawatt-Anlagen (maximale Höhe: 100 Meter) für geeignet.

„Bei uns waren schon Vertreter von Windenergie-Firmen, die Vorverträge für die Nutzung unserer Flächen abschließen wollten“, verriet eine Landwirtin der NWZ , die nicht genannt werden möchte.

Wie der Berner Bauamtsleiter Bernd Geers am Donnerstag mitteilte, hatten die Itzehoer Firma Procon und die LuV Windenergie GmbH (Oldenburg) vor einiger Zeit unabhängig voneinander zu Informations-Veranstaltungen in Berne eingeladen. Geers: „Derzeit gibt es aber in Berne überhaupt keine Flächen, auf denen die Installation von Windkraftanlagen erlaubt ist.“ Mehr noch: „Bei der letzten Änderung des Flächennutzungsplanes wurde beschlossen, dass nur in Neuenhuntorfermoor und nirgendwo anders in Berne solche Anlagen gebaut werden dürfen.“ Im Windpark Neuenhuntorfermoor stehen elf Windkraftanlagen.

Die aber könnten Verstärkung bekommen. Schließlich hat der Gemeinderat am 22. Mai dieses Jahres die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes beschlossen. Nicht auszuschließen also, dass im Gemeindegebiet ein neuer Windenergie-Standort geschaffen wird. Geers: „Das Thema kommt wieder auf die Tagesordnung.“


Ganz entspannt beobachtet man im Rathaus Lemwerder die Lage in der Nachbargemeinde: „Bei uns ist Windenergie kein Thema“, sagt Bauamtsleiter Bernhard Martens. Dass dem so ist, liegt am ASL-Flughafen. Sicherheitsabstände und Einflugschneise machen den Bau von Windkraftanlagen unmöglich. „Daran wird sich auch nichts ändern – unabhängig davon, ob die Flughafenlizenz irgendwann einmal erlischt“, meint Martens. Und weiter: „Lemwerder bleibt zumindest in Sachen Windenergie ein weißer Fleck in der Wesermarsch.“