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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Teil aus Wesermarsch für US-Seeaufklärer

11.10.2018

Berne Betritt man den Empfangsbereich des Mittelständlers Aljo in Berne (Kreis Wesermarsch), spult linker Hand ein Display interessante Bilder ab: Da sieht man eine Ariane-Rakete, einen Großraumjet aus europäischer Produktion, eine schmucke Luxusjacht oder auch den VW-Campingbus „California“ – ein Querschnitt durch die Produktion dieses vielseitig aufgestellten Metall- und Technologieunternehmens. Gut möglich, dass bald auch ein See-Aufklärungsflugzeug der US-Navy dort auftauchen wird.

Denn Aljo gelang jetzt der Eintritt in den amerikanischen Markt: Der US-Flugzeugriese Boeing gab ein Teil für den See-Aufklärer vom Typ „P 8A Poseidon“ in Auftrag. Er wird in Renton bei Seattle auf der gleichen Produktionslinie wie der bekannte Passagierjet „737“ gefertigt. Konkret liefern die Berner mehr als vier Meter lange Komponenten („ventral fin kits“) für das untere Seitenleitwerk.

„Das ist ein weiterer, großer Meilenstein für uns“, freute sich Ulf Jonuscheit, Geschäftsführer der Aljo Aluminium-Bau Jonuscheit GmbH, am Mittwochmorgen beim Empfang zur Vertragsunterzeichnung. Man habe bereits 42 Jahre Erfahrung als Zulieferer für die Luft- und Raumfahrt und nun mit Boeing „einen wirklich großen internationalen Kunden gewonnen.“ Dies bedeute zugleich den „Einstieg in den US-Markt, mit neuen Normen und Richtlinien.“ Diese Herausforderung nehme man gern an.

„Spannende Zukunft“

Dass auch den neuen amerikanischen Partnern die Sache wichtig ist, zeigte ihre starke Präsenz bei der Vertragsunterzeichnung an. Eine „spannende Zukunft“ sieht Dr. Michael Haidinger, der „President Boeing Deutschland“. Aljo habe sich bei der Ausschreibung durchgesetzt. Boeing habe das Zulieferernetzwerk in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Rund 100 Unternehmen gehören heute dazu, und man wolle „deutschen Unternehmen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in allen Unternehmensbereichen eröffnen“, meinte Boeings Vice-President Michael Hostetter (Boeing Defense, Space & Security in Deutschland).

Aus dem Nordwesten sind schon eine Hand voll Firmen mit Boeing im Geschäft – wie Deharde (Varel), Broetje Automation (Rastede) oder Premium Aerotec (Nordenham/Varel), wie Norbert Steinkemper, Projektmanager beim Landes-Netzwerk „Niedersachsen Aviation“, erläuterte. Der Nordwesten insgesamt sei mit diesen Firmen einer der „größten deutschen Forschungs- und Entwicklungsstandorte“ der Branche, mit einem Schwerpunkt bei Flugzeug-Strukturen.

Fotos von der Vertragsunterzeichnung:

Landes-Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sieht in Berne einen echten „Hidden Champion“ (gut versteckten Marktführer). Aljo habe gute Nischen gefunden, das entwickelte Know-how sei weltweit gefragt. Althusmann hofft auf zusätzliche Förderung für Luft- und und Raumfahrtentwicklung. „Ready for take-off“ gab er als Losung für das USA-Projekt von Aljo aus.

Thümler: Starker Cluster

Die Bedeutung der Branche für Niedersachsen betonte auch Wissenschaftsminister Björn Thümler (der wie Aljo in Berne ansässig ist) bei der Veranstaltung. Aktuell flössen zusätzliche Mittel u.a. in den starken Branchencluster im Raum Braunschweig.

Es seien Eigenschaften wie „schnelle Entscheidungen, pragmatische Lösungen und ein hoher Grad an Professionalität“, die es einem inhabergeführten Mittelständler wie Aljo ermöglichten, mit „Lösungen weltweit“ im Geschäft zu sein, mit 24-Stunden-Service, sagte Aljo-Co-Geschäftsführerin Miriam Rudnitzki. Der Vertragsabschluss mit Boeing – das sei ein „sehr schöner Moment“, meinte die in Hude aufgewachsene Managerin, die auch schon in der Autoindustrie und lange in den USA tätig war. Und in Richtung Boeing: „Wir danken für das Vertrauen.“

Aljo, vor 48 Jahren gegründet, ist schnell gewachsen. Der Umsatz mit den rund 350 Beschäftigten erreicht aktuell 40 Millionen Euro – doppelt so viel wie vor fünf Jahren, wie Rudnitzki erläuterte. Die Bereiche Schiffbau, Auto und Luft- und Raumfahrt bringen verschiedenste Produkte hervor – wie etwa die komplette Innenausstattung für den VW Camper „T6 California“, große Hangartore für Marine-Schiffe, Komponenten für die das Satellitenprojekt Galileo, die Rakete Ariane 6 oder auch sämtliche Airbus-Flugzeugprogramme.

Letzteres, die Zulieferung für den Flugzeugbau, würde man „gern noch ausdehnen“, deutete die Aljo-Leitung an. Und dabei hat man auch Boeing im Blick. „Möge dies nur der erste Schritt sein zu einer langen Zusammenarbeit sein“, sagte Rudnitzki.

Die „Poseidon“ bietet da schon gewisse Perspektiven. Für die US-Navy werden wohl noch mehr als 70 Stück gebaut. Zum Nutzerkreis gehören aber auch Australien und Indien. Weitere Staaten wie Großbritannien, Norwegen, Neuseeland oder Südkorea gelten als Interessenten.

Wie wäre es auch mit Deutschland? Hier ist noch das (uralte) Propeller-Vorgängermodell „Orion“ im Einsatz.

Die Berner würden sicher gern Teile für den Nachfolger beisteuern. Aljo stehe quasi stellvertretend für die „besondere Expertise, Qualität und Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie“. Dies ermögliche langfristige Partnerschaften betonte Boeing-Manager Haidinger. Mit seinem Kollegen Hostetter betonte er „starke deutsche Wurzeln“ des Konzerns: Der Gründer Bill Boeing sei Sohn deutscher Einwanderer gewesen.

Milliarden-Einkauf

Boeing selbst habe heute 600 Mitarbeiter an elf Standorten in Deutschland. Bald würden es 1000 sein. 2017 sei ein Forschungsstandort in München eröffnet worden. Mit sechs Hochschulen bestehen Partnerschaften. Boeing kaufe für etwa 1,2 Milliarden Euro jährlich in Deutschland ein.

Wie viel davon nun auf den Mittelständler Aljo entfällt, blieb ein Geheimnis. Bisher ging es vor allem um Ingenieurleistungen. Komponenten-Lieferungen würden etwa ab März 2020 angepeilt, erläuterte Matthias Schüler, der Vertriebsleiter für den Bereich Aerospace bei Aljo.

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