BERNE/WEHRDER - Verändert hat sich auf dem Hof von Milchbauer Frerk Hespe eigentlich nichts: Das Melkkarussell dreht sich wie gewohnt und jede der etwa 180 Kühe wird täglich um etwa 25 bis 30 Liter Milch erleichtert. Auch die Mitarbeiter des Familienbetriebs packen von früh bis spät kräftig an.

Und doch ist alles anders: Der Landwirt hat sich dem Lieferboykott, der seit über einer Woche in Deutschland läuft, angeschlossen. Tausende Liter Rohmilch im Wert von mehreren hundert Euro muss Hespe täglich an seine Milchkühe verfüttern oder entsorgen. „Das tut mir in der Seele weh“, sagt der 30-Jährige, der den Spaß an der Arbeit verloren hat. Und doch sieht er in dem Boykott die einzige Möglichkeit, die Milchpreise in die Höhe zu treiben, denn von 30 Cent pro Liter könne keiner wirtschaftlich überleben.

Schon vor etwa 30 Jahren hätten die Molkereien einen Preis von 60 Pfennig pro Liter Milch bezahlt. „Das haben wir mit einer verbesserten Produktion und mit mehr Tieren kompensiert“, erklärt der Milchbauer, der im Jahr 2005 den Betrieb von seinem Vater übernommen hat.

Aber da die Preise in allen Bereichen, ob Futter, Dünger oder Treibstoff, steigen, könnten die Kosten nicht mehr abgedeckt werden, weiß das Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Der Landwirt bedauert, dass zu wenig Solidarität unter den Bauern herrscht. Wenn alle an einem Strang ziehen würden, dann müsste man auch nicht so lange streiken. Ein baldiger Engpass im Handel würde eine schnellere Entscheidung erzwingen. Wenn der Streik noch lange dauert, wird es manche Landwirte, die von Anfang an mitgestreikt haben, richtig schwer treffen, weiß Hespe.


Aber es gibt auch jetzt schon etwas positives an dem nationalen Milch-Lieferstopp: „Viele Firmen geben uns Rabatte oder einen Rechnungsaufschub“, erklärt der Bauer. Trotzdem sind die Kosten momentan enorm hoch, denn schließlich kann man „die Kühe nicht abstellen“ und es muss weiter gearbeitet werden, ohne etwas dafür zu bekommen.

„Wir arbeiten sieben Tage die Woche, egal ob Weihnachten oder Ostern, da muss auch Geld übrig bleiben. Wenn es so weiter geht, kann ich meinem zweijährigen Sohn später nicht empfehlen, den Betrieb weiter zu führen“, sagt der junge Bauer, der die Landwirtschaft liebt, traurig. Trotzdem ist Hespe optimistisch, dass es bei den Gesprächen zwischen den Molkereien und dem Handel bald zu einem Ergebnis kommt. Schließlich sei das auch für die Molkereien eine Chance, ihre Preise zu erhöhen.