BERNE - Das Projekt läuft seit fünf Monaten. Wer mitmacht, hat gute Chancen auf einen Einstieg in den regulären Arbeitsmarkt.
von Axel Zimmermann
BERNE - Wer in diesen Tagen einen Blick in einem Schuppen neben dem Berner Rathaus wirft, der wird erstaunt sein. Der Grund: In der Remise nehmen fünf junge Erwachsene Fahrräder auseinander, reparieren defekte Schläuche, überprüfen die Bremsen, tauschen defekte Dynamos aus und bringen Reflektoren in den Speichen an.Wer nun aber glaubt, dass in dem Rathaus-Schuppen eine neue Fahrradwerkstatt aufgemacht hat, der irrt. Vielmehr handelt es sich um ein Projekt von Gemeinde, Arbeitsagentur und der Tochtergesellschaft des Landkreises Wesermarsch Beratung, Entwicklung und Arbeit (BEA), das es sich zum Ziel gesetzt hat, arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine neue berufliche Perspektive zu verschaffen.
Betreut wird die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen von Handwerksmeister Michael Reese, der ihnen bei der Arbeit an den Rädern mit Rat und Tat zur Seite steht, sie anleitet und motiviert.
Bei schlechtem Wetter repariert die Gruppe Fahrräder – dabei handelt es sich um Fund-Fahrräder, deren Eigentümer sich nicht mehr gemeldet haben. Die Ersatzteile, die für die Reparaturen benötigt werden, werden im örtlichen Zweiradgeschäft von Jan-Dirk Thümler eingekauft. Bei guter Witterung pflegt das Quintett Grünanlagen im Gemeindegebiet.
Die Gruppenmitglieder beziehen Arbeitslosengeld II und erhalten pro Arbeitsstunde 1,10 Euro als Aufwandsentschädigung.
Stichwort Motivation: Das Projekt ist auch dazu da, die Arbeitslosen erstmals – oder wieder – an das Berufsleben mit seinen geregelten Arbeitszeiten und Abläufen heranzuführen. Nur wer bereit ist, die Vorgaben zu akzeptieren, morgens pünktlich zur Arbeit erscheint und bei Krankheit ein ärztliches Attest vorlegt, darf mitmachen. Mit Erfolg: Seit Juni haben elf junge Menschen diese Maßnahme durchlaufen. „Einem von ihnen konnte ein Ausbildungsplatz vermittelt werden, zwei Jugendliche starteten eine Fortbildungsmaßnahme bei einem Bildungswerk und zwei Teilnehmer fanden eine Teilzeitbeschäftigung“, erläuterte Wolfgang Böning, Fachberater der BEA. Wichtig: „Wenn ein Platz frei wird, wird er sofort wieder besetzt“, so Böning.
Nach Angaben von Hedwig Stracke-Berkhout (Sozialarbeiterin der Gemeinde Berne) und Anke Egenhoff (Fachbereichsleiterin im Rathaus) gibt es Pläne, die Gruppe um drei Plätze zu erweitern. „Vier der fünf aktuellen Gruppenmitglieder haben gute Chancen, im kommenden Frühjahr auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen“, ist sich Stracke-Berkhout sicher. Damit das Fahrradprojekt fortgeführt werden kann, bittet die Verwaltung die Berner, alte und reparaturbedürftige Räder zu spenden.
