BERNE - 17. Jahrhundert: Die Hausratte wird in Europa von der Wanderratte verdrängt. Dennoch, in Ostpreußen, Marseille und Moskau wütet die Pest. Hunderttausende Menschen kommen um. Die Überlebenden müssen nach den Epidemien ihr Dasein neu organisieren. Bauernhöfe müssen neu aufgebaut, Äcker angelegt, Bäume gefällt und Vieh gezüchtet werden.
Es gibt viele Möglichkeiten sich durchzuschlagen und seine Familie zu versorgen. Wichtig ist es, die richtigen Prioritäten zu setzen, um am Ende als „Gewinner“ dazustehen. Vernünftig Haus und Hof zu bewirtschaften, das vermittelt Agricola, ein packendes Geschichts-Spiel für die ganze Familie.
Agricola wird am Montag, 30. Juni in Berlin zum Spiel des Jahres 2008 gekürt. Es erhält einen Sonderpreis für ein „besonders außergewöhnliches und komplexes Spiel“. Insgesamt ein Jahr haben Hanno Girke (Redakteur) aus Berne, Uwe Rosenberg (Autor) aus Aurich und Klemens Franz (Illustrator) aus Österreich an der Entwicklung des Spiels gearbeitet. Ihnen sei es wichtig gewesen, dass das Spiel eine Alternative zu den Computerspielen darstellt und auch alleine gespielt werden kann, erläutert Girke.
Es ist auf ein bis fünf Personen zugeschnitten und ab acht Jahren geeignet. Zwischen 30 Minuten bis zwei Stunden kann eine Runde, je nach Anzahl der Mitspieler, dauern.
Die Startauflage im vergangenen Jahr betrug 5000, berichtet der Verleger aus dem Berner Ortsteil Hiddigwarden. Innerhalb eines halben Jahres war sie verkauft. Mittlerweile wird die zweite Auflage (30 000), für die es den Preis gibt, produziert.
In acht Sprachen – unter anderem spanisch, tschechisch, koreanisch und holländisch – ist es dann erhältlich. Die 10 000 englischen Exemplare sind bereits beim Lookout-Games-Verlag in Hiddigwarden vorbestellt und verkauft. „Eine enorme Leistung für uns“, meint Girke.
Vor allem, weil der Verlag so klein sei, ist es möglich „Spiele schön zu machen“, erläutert er. Agricola besteht aus mehr als 300 Holzteilen und 360 Spielkarten im Stil der damaligen Zeit. Im Gegensatz zu anderen Brettspielen sind Erweiterungen schon dabei.
Das Spiel sei sehr kommunikativ und kreativ, so Girke. Jeder Mitspieler baut seinen eigenen Bauernhof auf, der möglichst produktiv verwaltet werden muss. „Es entsteht eine Art Mikrokosmus auf dem Brett, in dem sich die Spieler bewegen.“ Die Teilnehmer können eine Schafzucht aufbauen, sich zum Steinhauer fortbilden oder Felder bestellen. „Wichtig ist ein ausgeglichenes Verhältnis der einzelnen Aktivitäten, um siegreich zu sein.“
Vor allem Kinder züchten gerne Tiere und hassen es dann, wenn sie sie schlachten müssen, um voran zu kommen, berichtet Girke. „Dennoch machen sie es – schließlich wollen sie am Ende gewinnen.“
Seit dem Jahr 2000 geben Girke und Rosenberg zusammen mit ihrem Verlag Spiele heraus. Zunächst nur Karten- und seit 2004 auch Brettspiele. Agricola ist das bisher mit Abstand erfolgreichste, schildert Girke mit Stolz.
