Bösel - Nach Petersdorf, Glaßdorf, Ostland und Hülsberg ist Overlahe die fünfte Siedlungsgründung in der Gemeinde Bösel. 16 heimatvertriebene Landwirte aus den deutschen Ostgebieten und zwei Landwirte aus Südoldenburg hatten hier eine Siedlerstelle erhalten. Die Stellengröße betrug zwischen 15 und 17 Hektar. Eine von Norden nach Süden ziehende Straße durchschneidet die 3750 Meter lange und 965 Meter breite Siedlung in zwei Teile. Eine ausgewiesene Vorbehaltsfläche für einen Siedlungskern mit Schule und Kirche und anderen öffentlichen Einrichtungen wurde nicht besiedelt.
In „Knabe im Moor“ hat Annette von Droste-Hülshoff die Ängste der Menschen vor der Tücke des Moores eingefangen, denn Mensch und Moor waren keine Freunde. Und dennoch ging der Mensch hinaus in die Einöden, um dort sesshaft zu werden, nicht um sich einer paradiesischen Landschaft zu erfreuen, sondern aus Not, weil die Geest- und Marschböden im 18. Jahrhundert längst besetzt waren. Wer von nun an überzählig war, der musste sich als abhängiger Heuermann durchs Leben schlagen. Ging er ins Moor, so konnte dies ein Weg zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit werden. Die Regierungen förderten die Moorkolonisation, war es doch nur so möglich. die wachsende Bevölkerung im eigenen Lande zu binden.
Die Geschichte der Neusiedlung Overlahes beginnt nach der Abtorfung mit dem Einsetzen der Meliorationsarbeiten seitens des Siedlungsamtes. Entwässerung, Wegebau, Übersandung und Tiefkultur griffen wie Glieder einer Kette ineinander. Mächtige Erd- und Torfmassen wurden in dieser Zeit bewegt, Senken und Mulden mit Torf und Bunkerde angefüllt, denn eine ebene Moorfläche war Voraussetzung für die Übersandung und Tiefkultur und die folgende Bewirtschaftung.
Die Leda-Niederung ist ein ausgedehnter Hochmoorkomplex. Das Gebiet, auf dem heute Overlahe liegt, wurde nach Abschluss der industriewirtschaftlichen Nutzung – Weiß- und Schwarztorfgewinnung – dem Siedlungsamt Oldenburg vom Torfwerk Vehnemoor zum Kauf angeboten. 1954 wurde diese längliche Fläche erworben und durch Zukäufe erweitert. Die Gesamtfläche für den Siedlungskomplex Overlahe beträgt insgesamt 317 Hektar.
Nach Fertigstellung des „Aufschließungs- und Besiedlungsplanes Vehnemoor“ konnten 1954 die Urbarmachungsarbeiten in Angriff genommen werden. Die Sandmoormischkultur – Sanddeckkultur durch Flächenbesandung oder Sandmischkultur durch Tiefpflügen – konnte hier großräumig Anwendung finden. Da Overlahe auf der Grundlage der beiden Mischkulturen angelegt wurde, wird es nicht als Moorsiedlung bezeichnet.
Der Tiefpflug der Firma Ottomeyer konnte in Overlahe nur dort eingesetzt werden, wo die Mächtigkeit des Restmoores weniger als 1,80 Meter betrug. So konnten nur etwa 70 Hektar tiefgepflügt werden. Denn nur hier wurde gewährleistet, dass genug Sand an die Oberfläche kam. Wo die Torfmächtigkeit höher war als 1,80 Meter, wurde eine Übersandungsmaschine eingesetzt, der den Sand an die Oberfläche holte. Der aus dem Untergrund geholte Sand wurde dann mit der Oberschicht des Moores vermischt. Dieses Verfahren wurde als Sanddeckkulturverfahren bezeichnet.
Die Bauern aus Bösel sprachen von ihrem Land nördlich der Lahe als dem Land „over der Lahe“. In Anlehnung hieran erhielt der neue Siedlungsbezirk im Juni 1955 die Bezeichnung „Overlahe“.
Die staatlich geplante Siedlung Overlahe ist 1956 in einem abgetorften „Industriemoor“ des Torfwerkes Vehnemoor GmbH angelegt worden.
