Seefeld - Wer die Welt umsegeln will, träumt von der Südsee. Anke Preis und Martin Birkhoff ging es nicht anders. Palmen, endlose Strände und tiefblaues Meer sollten der Höhepunkt ihrer fünfjährigen Reise sein. Doch noch viel stärker faszinierte sie die westpatagonische Inselwelt vor der chilenischen Küste mit einer überraschend vielfältigen Natur im Schatten eisbedeckter Berge.
30 000 Bilder
Es blieb nicht die einzige positive Überraschung dieser außergewöhnlichen Tour. Martin Birkhoff berichtete darüber am Mittwochabend beim Landfrauenverein Seefeld. Rund 50 Zuschauerinnen und Zuschauer waren ins Mühlencafé gekommen, wo ihnen Martin Birkhoff gut 200 der insgesamt 30 000 Bilder zeigte, die während der Weltumsegelung entstanden sind.
Der 54-jährige Martin Birkhoff ist freiberuflicher Landschaftsarchitekt, seine ein Jahr jüngere Lebensgefährtin arbeitet in einer Behörde. Beide sind leidenschaftliche Segler. Gemeinsam kauften sie sich eine zwölf Meter lange Jacht. Anke Preis köpfte eine Flasche Schampus und schrieb aus einer Laune heraus „Just do it“ (Mach‘s einfach) auf den Korken. „So nennen wir unser Schiff“, beschloss Birkhoff spontan.
Der Name ist Programm. Bald beschlossen die beiden Bremer, mit ihrer Neuerwerbung die Welt zu umsegeln und sich dafür drei Jahre Zeit zu nehmen. Das war nicht nur deshalb gewagt, weil das Paar bisher eine Wochenend-Beziehung geführt und noch nie unter einem gemeinsamen Dach gelebt hatte. „Wir sind beide Kapitäne“, sagte Birkhoff. „Im Zweifelsfall war aber ich der Skipper und sie die Admiralität.“
Leinen los in Lemwerder
Am 24. Juli 2004 liefen die beiden in Lemwerder aus, wo das Boot seinen Heimathafen hat. Weil sie einen Wetterbericht verpasst hatten, gerieten sie in der Biskaya in einen Sturm, Salzwasser durchnässte Ankes Koje. Auf den Kanaren, wo es überraschend kühl und feucht war, beschlossen sie zu Weihnachten, ihren Törn um ein Jahr zu verlängern und nicht durch Karibik und Panamakanal zu segeln, sondern rund um Kap Hoorn.
Von den Kapverden aus überquerten sie den Südatlantik – 1500 Kilometer in 14 Tagen – und blieben anschließend sieben Monate in Brasilien. Dann ging‘s weiter nach Argentinien. „Das war eine Offenbarung für uns“, erinnerte sich Martin Birkhoff. Mehr als ein Jahr blieben sie in dem Land, und dafür war der Bandscheibenvorfall, den Anke Preis erlitt, nicht der ausschlaggebende Grund.
Sie vertäuten ihr Schiff mitten in Buenos Aires, der faszinierenden Hauptstadt. Dann ging‘s auf dem Rio Paraná und dem Rio Paraguay flussaufwärts bis in die paraguayische Hauptstadt Asunción, begleitet von Alligatoren und anderen wilden Tieren. Seemännisch, sagt Martin Birkhoff, war dies die anspruchsvollste Etappe, denn der Strom ist nur in seinem Unterlauf so kanalisiert wie die Flüsse in Europa; bald boten Karten nur noch Annäherungswerte. Unterwegs lernten sie Land und Leute aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen und erlebten eine nie erwartete Gastfreundschaft.
Dann segelten sie in Richtung Süden, auf Kap Hoorn zu. An der sonst so stürmischen Küste kamen sie nur einmal in einen Sturm. Ushuaia auf Feuerland, die südlichste Stadt der Welt, bot ein Panorama wie die Schweiz. Kap Hoorn umrundeten sie bei ruhigem Wetter.
Dann fuhren sie durch die patagonischen Kanäle nordwärts nach Valdivia.Es war die schönste Etappe der Tour. Sie sahen schneebedeckte Gipfel und Eiswasser, Papageien und Kolibris.
Die erste Station in der Südsee waren die Marquesas-Inseln in Französisch Polynesien mit ihrer wildromantischen Landschaft und den freundlichen Menschen. Die flachen Atolle beeindruckten die Weltumsegler weniger.
20 0000 Meilen allein
In Papeete, der Hauptstadt Tahitis, musste Anke Preis aussteigen und nach Hause an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Jetzt segelte Martin Birkhoff überwiegend allein. Hatten sie gemeinsam nachts jeweils drei Stunden gewacht und geschlafen, wachte Birkhoff jetzt bis zu 20 Minuten und schlief nur noch 5 Minuten. „Das geht“, sagte er.
So legte er in einem Jahr überwiegend allein 20 000 Seemeilen zurück. Für die ersten 20 000 Seemeilen hatten sie gemeinsam vier Jahre gebraucht.
