Oldenburg/Vechta - Mehr Ausbildungsstellen, weniger Bewerber – und damit so gute Ausbildungschancen für Jugendliche wie lange nicht: So lässt sich im Kern das abgelaufene Ausbildungsjahr (1. Oktober 2013 bis 30. September 2014) im Oldenburger Land zusammenfassen. Insgesamt zogen die Arbeitsagenturen Oldenburg-Wilhelmshaven und Vechta sowie die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK), die Handwerkskammer Oldenburg (HWK) sowie die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen am Donnerstag eine positive Bilanz.

„Wir sind eine sehr starke Ausbildungsregion“, sagte Ulrich Thies, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven. Im Agenturbezirk wurden im abgelaufenen Beratungsjahr insgesamt 5176 Ausbildungsstellen gemeldet – das waren 125 (2,5 Prozent) mehr als im Vorjahr. „Gleichzeitig ging die Zahl der Lehrstellenbewerber, die sich bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven gemeldet hatten, vor allem demografisch bedingt um 1,9 Prozent (128) auf 6656 zurück.

Positiv wertete Thies, dass die Zahl der noch unversorgten Bewerber im Agenturbezirk mit 219 deutlich (21,5 Prozent) niedriger lag als im Vorjahr. Parallel gab es Ende September noch 340 unbesetzte Stellen (Vorjahr: 239).

„Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist sehr hoch“, sagte Thies. Dennoch sieht er noch Luft nach oben und verwies u.a. darauf, dass nur etwa 45 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe in der Region auch kontinuierlich ausbilden. Mehr als die Hälfte der Betriebe würde dies nur zeitweise oder gar nicht tun. Er forderte sowohl die Betriebe als auch die Jugendlichen zu „größerer Flexibilität“ auf. „Es gibt nicht nur einen Wunschberuf“, appellierte er an die jungen Leute.

Ähnlich wie im Agenturbezirk Oldenburg-Wilhelmshaven sah die Entwicklung auch im Bereich der Agentur Vechta aus. Im Oldenburger Münsterland nahm die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 148 auf 2974 zu. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Bewerber um 33 auf 2758.


Bei der Oldenburgischen IHK ging die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse leicht um 2,6 Prozent auf 4282 zurück. Viele Unternehmen hätten zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, meinte Stefan Bünting, stellvertretender Abteilungsleiter bei der IHK für den Bereich Aus- und Weiterbildung. Dies habe zur Folge, dass sich viele Betriebe neu aufstellten und neue Wege bei der Rekrutierung von Auszubildenden einschlagen würden, etwa durch die Präsentation auf Messen, Übernahmegarantien oder auch Wahlen zum Azubi des Jahres.

Auch die HWK registriert aufmerksam, dass die Betriebe immer weniger Bewerbungen bekommen. Dennoch stieg die Zahl der Lehrverträge in den ersten zehn Monaten 2014 um vier auf 2944. „Das Handwerk hat sich am Ausbildungsstellenmarkt behauptet“, sagte HWK-Bildungsreferent Wolfgang Jöhnk.

Von einer stabilen Ausbildungssituation in den Agrarberufen und in der Hauswirtschaft berichtete auch die Landwirtschaftskammer. Niedersachsenweit seien rund 6000 Ausbildungsverhältnisse verzeichnet, sagte Edda Albers, Leiterin des Fachbereichs Aus- und Fortbildung. Auffällig sei, dass die Zahl der Auszubildenden zum Landwirt und zum Gärtner jeweils deutlich – um mehr als 100 – gestiegen sei.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft