Cloppenburg - Lange sei überlegt worden, das Fachforum Geflügelmast in der Münsterlandhalle fünf Wochen nach dem jüngsten Ausbruch der Geflügelpest mit rund 800 000 vor allem in der Region getöteten Tieren ausfallen zu lassen. „Aber das Forum hat sich hier in Cloppenburg etabliert“, sagte Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje am Donnerstag bei der Eröffnung. Begegnung, Fachthemen, neue Kontakte, die Konkretisierung der politischen Ausrichtung: „All das wollen wir nicht missen“.
Auch seien neue, innovative Ideen und Erkenntnisse nötig, die einem Kompromiss zwischen Tier- und Umweltschutz dienten. „Aber dem Verbraucher muss bewusst werden, dass die Verbesserung des Tierwohls meist machbar, aber mit höheren Kosten verbunden ist“, meinte Schwetje. Hochgesteckte Ziele dürften kein Alleinstellungsmerkmal für Niedersachsen sein, diese könnten dann nur gemeinsam realisiert werden.
Der erste Block der Vorträge beschäftigte sich mit aktuellen Themen aus dem Versuchswesen, so zum Beispiel die Verfütterung von Pflanzenkohle in der Hähnchenmast. Im zweiten Block ging es mit Berichten aus der Praxis um bessere Mastergebnisse durch gesunde Hähnchen und um die Biosicherheit in Hähnchenställen.
50 Aussteller nutzten die Gelegenheit und zeigten teilweise neue Produkte für die Geflügelmast. Oft ging es um die Stallhygiene, um Mikroorganismen und eine optimale Fütterung.
Wer aufmerksam die Aussteller inspizierte, dem konnte nicht der erneut hohe Anteil von niederländischen Unternehmen entgehen. Da beschäftigt sich Schippers mit 350 Mitarbeitern und 10 000 Produkten mit der Trinkwasserqualität und der Reinigung. Gemeinsam mit de Heuss auf der niederländischen Seite, dem über 100 Jahre alten und deshalb „königlichen Unternehmen“, gingen sie ein Joint Venture mit Chinesen ein – die Wellhope-Group war entstanden. De Heuss wurde auch durch die Beteiligung an dem Putenmäster Plukon bekannt, ist aber ein rein international agierender Futtermittelhändler.
Besonders bei der Produktion von Hähnchenküken sind die Niederländer führend. Matthias Wegmann (Friesoythe), Deutschland-Vertreter von Schotmann (Lichtenvoorde), sieht eine gewisse Tradition. „Holland war immer ein Hähnchenland.“ 70 Millionen Küken brütet Schotmann – auch in Gronau – aus.
Munsterhuis (Saasveld) vertreibt 50 Millionen Hähnchenküken von Bremen bis Paderborn, van Hulst mit einer Brüterei in Veldhoven bei Eindhoven liefert 60 Millionen. Küken auch nach Cloppenburg, Dörpen und Sögel. Und Lukas Knüppel weist darauf hin, dass es in den Niederlanden eine bessere Hygiene gebe; im Falle der Geflügelpest zudem mit Stall- und Hofverbot sowie schneller Keulung strengere Vorgaben als in Deutschland. Und dann ist da noch Proboed&Sloot mit mehreren Brütereien in den Niederlanden, die 250 Millionen Küken ausbrüten. Hier ist Wiesenhof über die Wimex-Gruppe beteiligt.
