Oldenburg - Vor allem wegen des Verkaufs der Tochter Verbundnetz Gas AG (VNG/Leipzig) hat die EWE ihren Gewinn im ersten Halbjahr kräftig steigern können. Wie der Oldenburger Energiekonzern am Montag mitteilte, stieg das sogenannte Periodenergebnis, also der Gewinn unterm Strich, im Vergleich zum Vorjahr um 85,2 Prozent auf 385,9 Millionen Euro. Wie berichtet, hatte EWE ihren 74,2-Prozent-Anteil an der VNG im Zuge eines Tauschgeschäfts an den Energiekonzern EnBW veräußert und zudem 125 Millionen Euro erhalten.

Allerdings konnte EWE auch im operativen Geschäft zulegen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEbit) stieg im ersten Halbjahr um 11,7 Prozent auf 378,3 Millionen Euro. Der Oldenburger Konzern führte dies im Wesentlichen auf „Optimierungen in der Energiebeschaffung“, also u.a. neu ausgehandelte Bezugsverträge mit Lieferanten, sowie höhere Erträge aus Netznutzungsentgelten für die Durchleitung von Strom und Gas zurück.

Der Umsatz schrumpfte dagegen in der ersten Jahreshälfte um 4,6 Prozent auf 4,02 Milliarden Euro. Als Grund nannte EWE vor allem Preissenkungen für Strom- und Erdgasprodukte, einen Rückgang beim Gasabsatz sowie geringere Gashandelserlöse.

Vorstandschef Matthias Brückmann zeigte sich vor allem mit der Entwicklung des operativen Ebits zufrieden: „Zuversichtlich macht mich, dass alle operativen Segmente des Konzerns zum Anstieg beigetragen haben – die positive Entwicklung vollzieht sich entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette.“

Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl im Konzern wuchs um 203 auf 9066. EWE führte dies im Wesentlichen auf den Erwerb des türkischen Telekommunikationsunternehmens Millenicom zurück.


Insgesamt betrachtet EWE die aktuellen Entwicklungen in der Türkei allerdings „mit Sorge“, wie Brückmann sagte. Wie berichtet, traf die von der türkischen Regierung ausgerufene „Säuberungswelle“ nach dem Putschversuch auch mehrere Mitarbeiter von EWE-Tochtergesellschaften in der Türkei. Sie haben die Unternehmen verlassen bzw. mussten sie verlassen, weil ihnen Verbindungen zur umstrittenen Gülen-Bewegung nachgesagt wurden. Trotz der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Türkei bekräftigte die EWE allerdings ihr Ziel, das 2007 begonnene Engagement in dem Land „mit Augenmaß“ fortsetzen zu wollen.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet EWE weiterhin ein operatives Ebit „mindestens auf Vorjahresniveau“ (2015: 428,1 Millionen Euro). Zugleich kündigte Brückmann eine „neue Konzernstrategie“ an, deren Details allerdings erst im Herbst bekannt gegeben werden sollen.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft