BETHEN - 120 000 Kilometer im Jahr fährt der niedersächsische Landwirtschaftsminister, um Betriebe im gesamten Bundesland zu besuchen und sich vor Ort einen Eindruck davon zu machen, wie gearbeitet wird und wie Probleme angegangen werden. Am Donnerstag war Hans-Heinrich Ehlen (CDU) zu Gast beim „Aalhof Götting“ in Bethen. Dort informierte sich der Minister über die Zucht der Tiere und besichtigte u.a. Wasseraufbereitungsanlage und Sortierstation.
Seit 1986 betreibt die Familie Götting professionelle Aalzucht. Davor war der Hof ein „normaler“ landwirtschaftlicher Betrieb. Nach dem Tod seines Vaters wurde Gert Götting durch einen Artikel in einer Fachzeitschrift auf die Aquakultur aufmerksam. „Angefangen haben wir mit ein paar großen Wannen in einer kleinen Halle“, erzählt Götting, der gemeinsam mit Ehefrau Hiltrud – gelernte Chemielaborantin – zwei Mitarbeitern und den Söhnen Markus und Jan den Aalhof bewirtschaftet. Die Söhne studieren Wirtschaftsingenieurwesen und arbeiten an den Wochenenden und in den Ferien im Aalhof. „Wir sind ein Familienbetrieb“, betont Hiltrud Götting.
Heute produziert der Betrieb 200 Tonnen Aal im Jahr. Ein Großteil davon geht an Räuchereien, aber auch der Aalbesatz – das Züchten von Jungaalen, die Götting dann später bei Oeynhausen in Werra und Weser aussetzt – gehört mittlerweile zum Kerngeschäft. „Wir wollen die Besatzmaßnahmen noch weiter verstärken“, sagt Götting.
Denn der Aal ist gefährdet: Überfischung, die Verbauung von Gewässern durch Wasserkraftwerke, Parasiten und verschiedene Faktoren wie Umweltverschmutzung oder veränderte Strömung und Nahrung haben die Bestände schrumpfen lassen. Bisher ist es nicht gelungen, die Tiere künstlich zu reproduzieren – auch wenn in chinesischen Labors die Aallarven schon mal drei, vier Wochen überleben. So werden die jungen Aale, so genannte Glasaale, nach wie vor im Atlantik gefangen und zur Aufzucht in die Aquakulturen gebracht.
Damit dort die Fische wachsen und gedeihen können, ist viel Aufwand nötig. „Der Aal ist der einzige Fisch, der Sauerstoff auch über die Haut aufnehmen kann“, erklärt Götting. Der Sauerstoffverbrauch ist also hoch, und das bedeutet, dass das Wasser in den Bassins mit Hilfe eines ausgeklügelten Pumpsystems ständig mit Sauerstoff angereichert werden muss. Dafür ist wiederum viel Energie notwendig, um den Sauerstoff im Wasser zu lösen. Die Göttings haben vor einem Jahr umgebaut und das System optimiert. „Wir können nun 60 bis 70 Prozent mehr produzieren bei gleicher Energiemenge“, sagt Götting stolz.
Auch Ehlen zeigte sich beeindruckt: „Beim nächsten Treffen mit meinen Kollegen kann ich tüchtig was vom Aal erzählen.“
