Oldenburg - Nach einer robusten Entwicklung 2016 ist die Wirtschaft im Oldenburger Land auch gut ins Jahr 2017 gestartet. „Es ist wirklich phänomenal, wie optimistisch die Unternehmen im Oldenburger Land ihre Wirtschaftslage und ihre Aussichten einschätzen – und das trotz der weltweiten Unsicherheiten und Krisen“, sagte Gert Stuke, Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), am Freitag bei der Jahrespressekonferenz in Oldenburg.
Weder Brexit-Votum noch die US-Wahl hätten die Stimmung bislang kippen können. „Das spricht für die Stärke und das Selbstvertrauen der Wirtschaft im Oldenburger Land“, meinte Stuke. Bei der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage im ersten Quartal 2017 hätten mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen im Oldenburger Land ihre Lage als gut oder befriedigend bezeichnet.
Telekom-Macht zu groß
Kein Verständnis hatte Stuke für den schleppenden Ausbau schneller Internetverbindungen. Die Verfahren dauerten zu lange und „die Macht der Telekom ist zu groß“, sagte er. Hier sei der Gesetzgeber gefragt. Aus Sicht von Stuke ist schnelles Internet die „zentrale Frage“ für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland und müsste zur „nationalen Daseinsvorsorge“ erhoben werden.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters sagte in seinem Rückblick, dass sich die Konjunktur 2016 als „äußerst robust“ erwiesen habe. Der Industrieumsatz im Oldenburger Land sei um 4,7 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro gestiegen – deutlich stärker als im landesweiten Durchschnitt (0,9 Prozent).
Auffällig sei zudem der überproportional um 8,2 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gewachsene Auslandsumsatz gewesen. Peters führte dies auf die gute Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Betriebe zurück. Insgesamt 7000 neue Arbeitsplätze seien 2016 in der Region entstanden – davon 45 Prozent Vollzeit- und 55 Prozent Teilzeitstellen.
Für 2017 sei bundesweit mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent zu rechnen, so Peters. „Der Konsum bleibt der Wachstumsmotor, wenn auch nicht mehr so stark ausgeprägt“, sagte er. Gewisse Unsicherheiten gebe es im Export. Peters mahnte an, protektionistischen Tendenzen entgegenzuwirken.
Im Fokus stehen soll aus Sicht der IHK der stationäre Handel. IHK-Geschäftsführerin Carola Havekost wies darauf hin, dass initiiert von der IHK am Freitag, 8., und Samstag, 9. September, die Aktion „Heimat shoppen“ im Oldenburger Land stattfinde. 13 Werbe- und Standortgemeinschaften aus acht Städten und Gemeinden des Oldenburger Landes (Oldenburg, Jever, Nordenham, Brake, Lemwerder, Hude, Emstek, Löningen) würden an der Imagekampagne für den lokalen stationären Handel und die ihm nahestehende gewerbliche Wirtschaft teilnehmen. „Sie soll darauf aufmerksam machen, wie wichtig die lokale Wirtschaft für die Lebendigkeit und Lebensqualität in Städten und Gemeinden ist“, sagte Havekost.
Weniger Azubi-Verträge
IHK-Geschäftsführer Thomas Hildebrandt lobte die „hohe Ausbildungsbereitschaft“ der Betriebe im Oldenburger Land – und das, obwohl die Zahl neuer Ausbildungsverträge 2016 um 2,1 Prozent auf 4273 zurückgegangen sei. Es gebe wachsende Schwierigkeiten, die Angebote der Betriebe und die Wünsche der Jugendlichen in Einklang zu bringen.
Etwa ein Drittel der rund 3000 Betriebe im Oldenburger Land, die ausbilden würden, habe nicht alle Plätze besetzen können. Insgesamt habe es in der Region rund 1000 unbesetzte Ausbildungsplätze gegeben. Hildebrandt wies darauf hin, dass die IHK zur Unterstützung der Betriebe einen „Masterplan Berufliche Bildung“ entwickelt habe.
