Oldenburg - Berndt Wozniak steht am Fenster seines Büros oben in der Oldenburger Agentur für Arbeit und blickt auf den Stadthafen. „Das hat sich hier gut entwickelt“, freut sich der Vorsitzende der Geschäftsführung. Und das gilt nicht nur für das sich mausernde Stadt-Quartier zwischen Eisenbahnbrücke und Innenstadt.

Auch Wozniaks Zahlen können sich sehen lassen. Wenn der bald 65-Jährige im Juni in den Ruhestand geht, hinterlässt er im Arbeitsagenturbezirk Oldenburg-Wilhelmshaven eine ansehnliche Bilanz: Die Zahl der Arbeitslosen ist seit seinem Antritt vor fünfeinhalb Jahren um rund 4000 (auf 31 000) gesunken. Speziell bei den Jüngeren wurde die Quote von 8,8 auf 7,3 Prozent gedrückt. Die „nachhaltige Integration von arbeitslosen Jugendlichen über eine gute Ausbildung“ – das sei ihm ein Hauptanliegen gewesen, so der Agenturchef.

Sein Erfolgsrezept? „Ein enges Miteinander bietet die Chance, dass man etwas bewegen kann“. Das gilt intern, aber auch draußen. Der 64-Jährige ist ein wichtiger Akteur im Netzwerk von Persönlichkeiten und Organisationen, deren Zusammenwirken die Region vorangebracht hat. Mit kurzen Drähten habe man viel „Gutes hingekriegt“.

Er habe stets gern gearbeitet, sagt Wozniak. Jetzt müsse und wolle er gehen, und das sei im Sommer doch am leichtesten, meint er – und lächelt, wie man ihn kennt. Nur selten hat man ihn schlecht gelaunt erlebt. Sein Nachfolger soll im Mai ermittelt werden.

Wozniak hatte all die Jahre vielleicht mehr als manche andere Manager im Riesen-Apparat der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Gefühl für das, um was es eigentlich geht. „Für die Menschen tätig werden“, wie er sagt, mit Beratung und Vermittlung, Qualifizierungen und Zahlungen. Zugleich flexibel auf den Bedarf der Betriebe reagieren.


Wozniak kam selbst aus der Wirtschaft. Nach dem Abitur hatte der aus Bremen-Nord stammende junge Mann zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und war als Einkäufer bei einem Maschinenbauer tätig.

Eine neue Richtung bekam sein Leben, als er nach einer Fusion für die Firma in den Süden gehen sollte. Wozniak begann bei der damaligen Bundesanstalt für Arbeit eine Ausbildung für den gehobenen Dienst, mit umfangreichem Programm einschließlich Fachhochschule.

Dann folgte der Aufstieg auf der Karriereleiter: Alle etwa paar Jahre umziehen, neue Standorte und Arbeitsbereiche kennenlernen.

Im Zuge dieser Tour war Wozniak bereits 1985 bis 2002 als Verwaltungsleiter in Oldenburg, unter dem Agenturchef Dr. Heinz Ruitman. Damals war er auch für Planung und Realisierung des neuen Agentur-Gebäudes direkt am Stadthafen zuständig. Gern holt der heutige Agentur-Chef Fotos hervor und zeigt, wie schmucklos es vorher dort aussah.

Bereits 1985 war der Bremer mit Frau und Sohn nach Oldenburg gezogen. Er sei der Stadt sehr verbunden, sagt er heute, mit seinem typischem Understatement. Oldenburg blieb Lebensmittelpunkt der Familie – obwohl der Berufsweg über das Landesarbeitsamt Niedersachsen-Bremen, über Halle (Saale), das Landesarbeitsamt Sachsen-Anhalt/Thüringen, Uelzen, nochmals über die Landes-Zentrale in Hannover und schließlich Bremerhaven nach Oldenburg führte.

Seither leitet er hier als Vorsitzender der Geschäftsführung die zweitgrößte Arbeitsagentur in Niedersachsen (hinter Hannover), er ist für 800 Beschäftigte verantwortlich. Anders, als mancher das draußen denke, laufe so etwas heute bei der BA mit Angestelltenverhältnis, Zeitvertrag auf fünf Jahre und klaren Zielvereinbarungen. Diesen fundamentalen Wandel vom Amt zur Dienstleistungsagentur hat Wozniak ebenso mitgestaltet wie die Umsetzung zahlloser Gesetzespakete wie Hartz IV und technische Revolutionen – wie die elektronische Leistungsakte. Und er hat seine Erfahrungen gern in Seminaren und als Mentor an Jüngere weitergegeben.

Der Manager lehnt sich an seinem Schreibtisch oben in der Agentur zurück. Jahrzehntelang hat sich alles um Arbeit gedreht, mit ein wenig Ausgleich im Fitnessstudio oder beim Schwimmen. Künftig wird man ihn in Oldenburg noch häufiger auf dem Fahrrad sehen – oder an landschaftlich reizvollen Stellen, mit Kamera.

„Ich bin Hobby-Filmer“, gesteht der angehende Ruheständler. Und da gäbe es seit seinem Start in einer Foto AG vor Jahrzehnten nun doch „einiges aufzuarbeiten“.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)