Bockhorn - Am Anfang der Leidenszeit standen drei Operationen, Bestrahlungen, eine Chemo-Behandlung. Das war nur der Anfang, zwei Jahre lang war Hans-Jürgen Walentowitz außer Gefecht gesetzt, musste seine geliebte Staffelei alleine lassen, konnte nicht mehr malen. Doch genau diese Leidenschaft für sein Steckenpferd brachte ihn zurück. Und der enorme Beistand der Familie, wie er berichtet.
Früher züchtete Walentowitz die großen Friesen-Pferde, und Pferde, Katzen, Hunde, überhaupt Tiere von der Maus bis zum Elefanten sind seine bevorzugten Bilder-Themen. Nach den Operationen brach sein Immunsystem zusammen, Lähmungen traten auf, „die Nerven lagen blank“, wie Hans-Jürgen Walentowitz erzählt.
Das Problem: Die Ärzte konnten lange die Ursache nicht finden, erst Neurologen im Krankenhaus Sanderbusch kamen der heimtückischen Erkrankung auf die Spur. Walentowitz war vom Guillain-Barré-Syndrom befallen worden, einer sehr seltenen Entzündung des Nervensystems.
Halbwegs genesen, folgte die Reha in Lingen, und da zog sich Walentowitz eine schwere Lungenentzündung zu. Die Ärzte hätten hin schon aufgegeben: „Wenn ich eine Patientenverfügung gehabt hätte, wäre ich nicht zurückgekommen.“ Doch Ehefrau Doris Leder-Walentowitz und Sohn Steffen Walentowitz standen ihm zu Seite, auch der Sohn Toralf, Sheriff in Kanada, eilte ans Krankenbett.
Die Lähmungen kamen wieder, der Kranke konnte sich nicht mehr bewegen, musste künstlich ernährt werden. Doch Walentowitz traf auf gute Therapeuten, schaffte es in den Rollstuhl, dann kam der Rollator. Am 22. August 2013 wurde er nach Hause entlassen, zu seinen Bildern. Im November ein Rückschlag, wieder Lähmungen, doch Walentowitz gab nicht auf, jetzt hilft ein Physiotherapeut aus Bockhorn: „Ich bin soweit, dass ich mich im Haus ohne Hilfe bewegen kann.“
Er hat sich nun Blumenmotiven für neue Bilder zugewandt. Weihnachten ist ihm wichtig, er will wieder unter Leute; am Sonntag, 24. November, 11 bis 17 Uhr, zeigt Walentowitz in seinem Haus an der Grabsteder Straße 12 (gegenüber vom Friedhof) Bilder, Holzarbeiten, Gestecke. Auch Porträtmalerei ist darunter. Seine Cousine Renate Zoll aus Bremen beteiligt sich an der „Hobby-Kunstausstellung mit weihnachtlichem Glanz“ mit Porzellanmalerei, Steffen Walentowitz präsentiert Buchillustrationen.
Der heute 72-jährige Walentowitz hat aus seiner Leidenszeit eine Erkenntnis mitgebracht: „Viele lassen sich gehen in der Reha. Man muss den Willen haben, zurückzukommen, ein Ziel vor Augen haben, dann geht es. Und natürlich die Familie an der Seite wissen.“ Menschen, die vom Guillain-Barré-Syndrom befallen sind, haben einen Verein gegründet; Walentowitz war schon bei Sitzungen dabei. Prominentester Leidensgenosse ist übrigens der frühere Fußballnationalspieler Markus Babbel.
