Ganderkesee - Trotz der aktuellen Diskussion über die Arbeitsbedingungen der Textilindustrie in Billiglohnländern – zuletzt entfacht durch den Großbrand in einer Fabrik Bangladesch – fragen die Ganderkeseer Kunden offenbar selten nach der Herkunft ihrer Textilien. Das ergab eine Umfrage unter örtlichen Einzelhändler.

„Bei dem Thema haben wir kaum direkte Nachfragen“, sagte Renate Drieling, Inhaberin der „Jeans-Scheune“. Die von ihr verkauften Produkte stammten „zum Großteil aus Europa“, so Drieling.

Auch Petra Eggers, Inhaberin von „Eggers Moden“ wird nicht häufig auf die Herkunft ihrer Produkte angesprochen. „Aber ich versuche, meine Kunden bei dem Thema zu sensibilisieren, denn es liegt mir sehr am Herzen“, sagte die Modehändlerin. Sie spreche häufig mit ihren Kunden über Herkunft und Qualität der Textilien. „Billigproduktion“ könne sie nicht gutheißen. „Mit tut es sehr leid, wenn ich daran denke, wie die Arbeiter in manchen Fabriken unter Staub und Färbemitteln zu leiden haben“, so Eggers. Ihre Produkte stammten zu 80 Prozent aus Deutschland. Der Rest komme aus europäischen Ländern.

Auch der Inhaber des Textilgeschäftes Tönnies, Heinz-Georg Tönnies, legt Wert darauf, dass die meisten seiner Produkte aus Deutschland stammen. „Viele unserer Produkte kommen aus Thüringen und der Schwäbischen Alb“, sagte er. Dort habe er ein größeres Vertrauen in Arbeitsbedingungen und Qualität. „Meine Kunden fragen aber vor allem nach der Qualität“, erklärte Tönnies. Und vom Vertrauen in die Qualität lebe sein Geschäft.

Der Weltladen Ganderkesee verkauft Handschuhe, Schals, Mützen und Tagesdecken. „Wir verkaufen ausschließlich fair gehandelte Produkte“, sagte Verkäuferin Editha Jacobs. Dabei komme das Geld direkt den jeweiligen Kommunen zugute, weil es keine Zwischenhändler gebe. Laut Editha Jacobs hat das Geschäft überwiegend Stammkunden. „Die sind sehr an Herkunft und Arbeitsbedingungen von Textilien interessiert“, so die Verkäuferin. Bemerkenswert sei, dass viele junge Menschen dabei sind.


Petra Ohsmers, Geschäftsführerin der „Gertje’s Fashion“-Filiale in Ganderkesee, sagte, sie werde „eher selten“ dazu gefragt. „Wir sind natürlich informiert und achten auf unsere Produktauswahl“, sagte Petra Ohsmers. So führe das Geschäft nicht viele Firmen, die in China produzieren.

Aus der „Ernsting’s Family“-Filiale in Ganderkesee seien keine Kundennachfragen über die Produktionsstätten des Unternehmens bekannt, sagte Pressesprecherin Heike Hano. Die Produktionsorte in Fernost und Osteuropa würden regelmäßig von eigenen und unabhängigen Mitarbeitern überprüft.

Auch die Ganderkeseer „Takko“-Teamleiterin Manuela Volkmann sagte, sie sei bisher nicht auf das Thema angesprochen worden. Die Pressestelle des Unternehmens teilte mit, es gebe bei „Takko“ einen Verhaltenskodex, der alle Unternehmer „zu äußerster Fairness, Ehrlichkeit und Verantwortung verpflichtet“.

Einige angesprochene Einzelhändler wollten sich zum Thema nicht äußern.