Ganderkesee/Landkreis - Keine zwei Jahre ist es her, da schienen in Sachen „Biogas“ die Bäume in den Himmel zu wachsen. In rasantem Tempo stieg im Landkreis die Zahl der Anlagen, das Überspringen der 100er-Marke galt als sicher. Doch dazu kam es nicht. Bei 92 Biogasanlagen habe sich die Zahl eingependelt, berichtet Peter Nieslony, Leiter des Bauordnungsamtes beim Landkreis. Also Stagnation? Keineswegs, ist Arnd Schwarting von der Biogas Welsetal GmbH überzeugt: Im Zuge der Energiewende werde Biogas „ein großes Thema“ sein – allerdings nach der Bundestagswahl.
Zunächst die aktuellen Zahlen. Die 92 Anlagen verteilen sich nach der Statistik aus dem Kreishaus wie folgt auf die Gemeinden und die Stadt Wildeshausen: Großenkneten 16 Anlagen im Betrieb/0 im Bau/3 im Genehmigungsverfahren; Dötlingen 13/0/1; Ganderkesee 10/0/0; Samtgemeinde Harpstedt 9/1/0, ferner eine Anlage außer Betrieb; Wildeshausen 8/1/2; Wardenburg 7/0/4; Hatten 6/2/1; Hude 7/0/0.
Was die Anlagen im Genehmigungsverfahren angeht, so habe er nicht den Eindruck, dass diese Projekte zurzeit mit Hochdruck vorangetrieben würden, schilderte Nieslony seine Eindrücke. Ausnahme: die in der Gemeinde Wardenburg beantragten Biogasanlagen. Sie befänden sich in der Warteschleife, weil die Gemeinde eine Steuerungsplanung vorbereite.
Dafür, dass die Zahl der Anlagen nicht weiter stieg, gibt es nach Einschätzung von Arnd Schwarting mehrere Gründe. Einer davon: Auf die verlockenden Vergütungssätze des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2009 sei mit der Novellierung 2012 eine andere, weniger attraktive Tarifstruktur gefolgt. Hinzu komme, dass „die große Flächenverfügbarkeit ausgereizt ist“, dass die Getreidepreise stiegen – und dass die sehr guten Marktaussichten in der Milchviehhaltung für manch einen Landwirt eine attraktive Alternative darstellten.
Dennoch sieht Schwarting sehr wohl Perspektiven, allerdings bei geänderten, komplexeren Rahmenbedingungen. Grundlegende Weichenstellungen erwartet er nach der Wahl vom 22. September.
Grundsätzlich sieht der Landwirt aus Bookhorn zwei „große Themen“ auf die Branche zukommen: „Regelenergie“ (mit der bei unvorhergesehenen Ereignissen schnell die Versorgung der Kunden gewährleistet wird) und „Repowering“ (also das Verbessern des Wirkungsgrades). Da werde es auch um Umbaumaßnahmen gehen, etwa um größere Behälter für höhere Gasvolumen oder um größere Gärrestelager. Einen Zuwachs erwarte er bei der Gas-Aufbereitung, um es ins Erdgasnetz einspeisen zu können.
