NWZ
mit.500 Meter Abstand?
In dem Grundsatz-Beschluss geht es darum, Vorranggebiete für Biogas-Anlagen festzulegen. Im Gespräch ist, dass Biogas-Anlagen mindestens 300 Meter von Wohn- und Gewerbegebieten entfernt liegen müssen. Die FDP fordert sogar 500 Meter Abstand von Gewerbegebieten, damit die sich entwickeln können.
Wie Peter Kania erläutert, gibt das Bundesbaugesetz den Kommunen die Möglichkeit, Vorranggebiete festzulegen, nennt dafür aber keine Kriterien. Im Gesetzestext heißt es laut Kania lediglich, solche Beschränkungen dürften nicht willkürlich festgelegt werden. Das ist aber ein dehnbarer Begriff.
Mit solchen Vorranggebieten könnten die Ansprüche von Landwirten auf privilegierten Anlagen vereitelt werden. Laut Gesetz haben Landwirte einen Anspruch darauf, eine Biogas-Anlage bauen zu dürfen, wenn sie in der Nähe der Hofstelle liegt, eine Leistung von weniger als 500 Kilowatt erzeugt und ihr sonst keine übergeordneten Hindernisse entgegenstehen.
Am Donnerstag nächster Woche geht es konkret um die von dem Landwirt Andreas Speckels-Suhren und dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb K. W. Siefken geplante Biogas-Anlage. Wie der Mitinhaber Frerk Siefken mitteilt, verfolgen die Initiatoren nicht mehr den Plan, die Anlage bei Esenshamm zu bauen. Grund: Die neue Wesermarsch-Klinik vor Esenshamm braucht, wie berichtet, nur noch wenig Biogas, weil das Gebäude wesentlich besser gedämmt sein wird als das jetzige, weil zusätzlich Erdwärme genutzt wird und weil die Klinik wegen der Versorgungssicherheit sowieso ans Erdgasnetz angeschlossen werden müsste.
Jetzt setzt sich bei den Anwohnern in Großensiel und in den Fraktionen der Eindruck durch, die Anlage könnte doch auf dem zunächst geplanten Platz zwischen dem Gewerbegebiet Nordseestraße und dem Hof von Andreas Speckels-Suhren gebaut werden. Bleibt die Frage, wer hier das Biogas abnehmen könnte?
Jürgen Lahode, Geschäftsführer des in diesem Zusammenhang genannten CVJM-Sozialwerks Wesermarsch, winkt ab. „Unsere Planungen sind noch vage, und wenn sie zustande kämen, wären wir nur ein kleiner Abnehmer.“
Wie Lahode erläutert, erwägt das CVJM-Sozialwerk, die Heizpellets, die es aus Treibsel herstellen will, mit Holzschnitt zu vermischen, der bei Siefken anfällt. Dieser Holzschnitt müsste getrocknet werden, und dafür wäre die Abwärme aus einer Biogas-Anlage gut geeignet.
Schon seit Jahren arbeitet das CVJM-Sozialwerk an diesem Plan. Es will drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Für den lästigen Treibsel soll es eine wirtschaftliche Nutzung geben, das CVJM will mit den Pellets auch eigene Energieprobleme lösen und es will arbeitslosen Jugendlichen mit der Herstellung der Pellets eine Beschäftigungsmöglichkeit geben.
Geringer Brennwert
Doch die Kernprobleme sind nach wie vor ungelöst: Der im Vergleich zu Holz geringe Brennwert des Treibsels und seine Belastung vor allem mit Salz, das die Öfen langfristig kaputt macht. Forscher an mehreren Universitäten – darunter Oldenburg – bemühen sich um Lösungen, doch es sind noch keine gefunden worden.
Das Salzproblem soll möglichst gelöst werden, indem das Schilf geerntet wird, bevor es von den Sturmfluten im Herbst und Winter abgerissen und in Treibsel verwandelt wird, der Brennwert soll durch Zusatzstoffe so erhöht werden, dass die Pellets in Konkurrenz zu Holzhackschnitzeln treten können, sagt Jürgen Lahode.
Wenn es soweit ist, will das CVJM-Sozialwerk eine kleine Testanlage bauen – am Helgoländer Damm in Friedrich-August-Hütte. Das ist weit weg von Großensiel.
