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Natur Bläuling fühlt sich sehr heimisch

Oldenburg - Der Naturschutz beginnt im Kleinen, weiß Prof. Dr. Rainer Buchwald vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Buchwald ist beratendes Mitglied im Umweltausschuss und auch anderweitig für den Umwelt- und Naturschutz stark engagiert.

Zuletzt 1961 gesichtet

Und sein Wirken, das seiner Mitarbeiter und zahlreicher ehrenamtlich engagierter Bürger im Arbeitskreis Artenvielfalt und Biotopschutz zeigt Erfolg. Als geradezu sensationell bezeichnet Buchwald das Vorkommen des Hochmoor-Bläulings (eine Schmetterlingsart) im Everstenmoor. Dort wurden im vergangenen Jahr 223 Falter gezählt (in Nordwestdeutschland sind Populationen mit ca. zehn Faltern normal). Deutschlandweit gibt es nur 42 Plätze, an denen der Falter noch vorkommt. In Oldenburg sind die ersten Bläulinge vor einigen Jahren wieder in Eversten aufgetaucht, nachdem sie zuletzt 1961 gesichtet worden waren. Und der Everster Schmetterling ist etwas Besonderes: Der Bläuling legt anders als in der Literatur angegeben seine Eier an Preiselbeerbüschen und nicht wie normalerweise an Moosbeeren ab. „Für weitere Schutzmaßnahmen ist das ein wichtiger Befund“, unterstreicht Buchwald die Bedeutung des Standortes. Deshalb wurden das Nektarangebot vergrößert und Preiselbeeren vermehrt. An den Schutzmaßnahmen will Buchwald auch die Landesforsten und damit das Land Niedersachsen beteiligen, um die landeseigenen Flächen einzubeziehen.

Doch nicht nur der in Niedersachsen vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Bläuling ist im Fokus des Arbeitskreises Artenvielfalt und Biotopschutz. Auch den Wildbienen wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So sind im vergangenen Jahr an der Alexanderstraße, am Philosophenweg und im Botanischen Garten Informationsschilder aufgestellt worden, die auf Wildbienennester zwischen Pflastersteinen hinweisen. Auch in diesem Jahr gibt es im Artenschutzprogramm „Wildbienen“ viel zu tun, kündigte Buchwald an. Vor allem die Bienen, die in sandigen Böden ihre Nester anlegten, müssten geschützt werden. Das gelte beispielsweise für die Blauschwarze Sandbiene. So bereitet dem Biologen der Baum- und Strauchwuchs im Naturschutzgebiet „Bahndammgelände Krusenbusch“ einige Sorge, weil dadurch die Nistplätze für Wildbienen zurückgedrängt werden. „Die sehr wichtigen Bestäuber benötigen offene, sandige Nistmöglichkeiten“, sagt Buchwald. Eine maschinelle Pflege sei aufgrund einer erforderlichen kleinflächigen Vorgehensweise nicht möglich.

Pflege der Bienen

So sollen in diesem Jahr Ortstermine mit Naturschutzverwaltung, Landschaftspflegern und interessierten Bürgern zur Planung der Rodungen folgen. Junge Birken, Pappeln und Weiden müssten entfernt werden. Mit einem Minibagger sollten Nistmöglichkeiten für die Bienen geschaffen werden. Unbedingt angewiesen ist der Arbeitskreis auf die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger, die Vorkommen von Bienennestern melden sollten. Im besonderen Maße stehen im zeitigen Frühjahr Sandbereiche auf Spielplätzen, in Kindergärten und Parks im Fokus. Wildbienennester in Pflasterfugen werden im Frühsommer angelegt.

Doch nicht nur auf Insekten, auch auf Pflanzen richtet sich die Aufmerksamkeit der Naturschützer. So wurde im vergangenen Jahr der Erfolg der Ausbringung der Succisma-Samen überprüft. Der Gewöhnliche Teufelsabbiss, auch einfach Abbiss oder Teufelswurz und Teufelsbiss genannt, steht in Niedersachsen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Vorkommen gibt es am Elsflether Damm (Spenderfläche sind die Bornhorster Wiesen) sowie auf dem Fliegerhorst, wo neue Flächen für den Teufelsabbiss zur Anpflanzung gefunden wurden. Zu den Aufgaben des Arbeitskreises gehören Pflegemaßnahmen der Spendergebiete mit je einer Mahd im Mai/Juni sowie Oktober. Fortgeführt werden die Keimungsversuche im Gewächshaus der Universität. In Aussicht gestellt hat Buchwald bodenphysikalische und -chemische Analysen der Spender- und Empfängerflächen – eine universitäre Abschlussarbeit.


Wer sich am Arten- und Biotopschutzprogramm beteiligen möchte, kann sich bei der Stadt unter Tel. 235-2777 oder über naturschutz@stadt-oldenburg.de melden.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg
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