Gehlenberg - Noch sind die blau-weißen kleinen Schilder wahre Raritäten. Das Emblem der Haager Konvention von 1954 ist das Symbol für denkmalgeschützte Gebäude (siehe Info-Kasten). Davon gibt es im Landkreis Cloppenburg zwar fast 400, doch bislang ist nur ein Landhaus in Lastrup mit der Plakette, die vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalbehörde des Landkreises Cloppenburg ausgegeben wird, gekennzeichnet. Seit Freitag sind vier Gebäude dazugekommen.
Die vier Baudenkmäler sind allesamt im Friesoyther Stadtgebiet zu finden. Das ist umso bemerkenswerter, da Friesoythe im 2. Weltkrieg nahezu vollständig zerstört wurde. Einige Gebäude haben aber überstanden, und so konnte Landrat Hans Eveslage am Freitag die ersten vier Plaketten verteilen.
Ort der Übergabe war die Gehlenberger Mühle. Dort konnte Wilhelm Olliges vom Heimatverein das Emblem für die 1840 erbaute, bis 1950 in Betrieb befindliche und noch heute voll funktionsfähige Erdholländerwindmühle entgegennehmen.
Eine weitere Plakette wurde an Raimund Frohne-Brinkmann vom Vorstand des Vereins „Werkhaus Pancratz“ in Friesoythe überreicht. Das Gebäude an der Kirchstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und ist eines der wenigen Häuser im Friesoyther Stadtkern, das den Krieg überstanden hat. Das Werkhaus dokumentiert unter anderem die Lebens- und Arbeitswelt der Malerfamilie Pancratz.
Künftig wird auch am Kulturzentrum „Alte Wassermühle“ in Friesoythe das Zeichen der Haager Konvention zu sehen sein. Den Mühlenstandort an der Soeste gibt es bereits seit mehreren Jahrhunderten. Anfangs war es die einzige Mühle in der Region, in der die Landwirte ihr Getreide mahlen konnten. Heute befindet sich in dem Gebäude neben Veranstaltungsräumen auch ein Informationszentrum „Regenerative Energie“. Folkert Folkers nahm die Plakette im Namen des Mühlenvereins entgegen.
Unter den vier Baudenkmälern befindet sich auch eines in privater Hand. Das 1909 an der Thüler Straße in Friesoythe erbaute Gulfhaus ist im Besitz der Familie Knelangen. Es ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude dieser Art im Landkreis, das noch bewohnt ist. Landrat Eveslage überreichte Anne Knelangen das blau-weiße Symbol.
„Es ist wichtig, dass es Bürger gibt, die sich um die Baudenkmäler kümmern, damit diese nicht verfallen“, sagte Eveslage. Er freue sich, dass es diese Bürger gebe, die sich als Eigentümer zum Denkmal bekennen und sich für den Erhalt der Gebäude einsetzen würden. Bürgermeister Johann Wimberg bezeichnete die Baudenkmäler als „Bereicherung unserer Kulturlandschaft“. Er begrüßte die Initiative zur Kennzeichnung der Gebäude und hoffe, dass es eine Anregung für andere sei.
Landrat Eveslage kündigte an, dass im kommenden Jahr weitere Schilder verteilt werden.
