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Biogas Harte Fronten im Standort-Streit

BLEXEN - Angesichts der großen Löcher im Haushalt macht sich Bürgermeister Hans Francksen verstärkt Gedanken über die Frage, wie sich die Energiekosten der städtischen Gebäude nach unten drücken lassen können. Für den Stadtnorden hat er ein Denkmodell entworfen, das eine preisgünstige Versorgung mit Fernwärme für das Nordbad und die Luisenhof-Sporthalle in Einswarden sowie für den Kindergarten und die Grundschule in Blexen vorsieht. Eine wichtige Rolle spielt bei den Überlegungen die Biogasanlage, die die Landwirte Bernd Böschen und Hermann Engelbart in Grebswarden errichten wollen. Das Problem ist nur, dass sich in Einswarden ein zunehmender Widerstand formiert.

Anführer der Gegner ist der in Einswarden wohnende CDU-Ratsherr Dr. Tilman Kaethner. Als der Bürgerverein Blexen am Freitagabend eine Informationsveranstaltung zu dem Thema abhielt, nutzte er einmal mehr die Gelegenheit, gegen den vorgesehenen Standort an der Burhaver Straße zu argumentieren. Als Hauptgrund führte er eine mögliche Geruchsbelästigung an. Zudem könnte der Stadtteil Einswarden nicht mehr in Richtung Westen wachen, wenn in Grebswarden die Biogasanlage als Sperrriegel gebaut würde.

Rund 60 Zuhörer

Vor den rund 60 Zuhörern im Saal der Gaststätte Zur Alten Eiche versuchten Bernd Böschen und Hermann Engelbart, die Bedenken zu entkräften. Sie hatten zur Unterstützung einen Mitarbeiter einer Anlagenbaufirma aus Friesoythe dabei, der auch zu tiefergehenden technischen Fragen Stellung nahm. Aber es half alles nichts. Weder mit dem Hinweis auf ein Gutachten, in dem die Landwirtschaftskammer eine Geruchsbelästigung in den Wohngebieten ausschließt, noch mit einer genauen Erläuterung der Biogasproduktion, die weitgehend in einem geschlossenen System abläuft, ließen sich die Skeptiker um Tilman Kaethner beruhigen.

Auch Bürgermeister Hans Francksen kam mit seiner Überzeugungsarbeit nicht weit. Er betonte, dass es nur beim Öffnen der Silofolie, unter der das zur Vergärung bestimmte Gras lagert, zu einer Geruchsfreisetzung komme. Doch die sei so gering, dass von einer Belästigung nicht die Rede sein könne. Für Tilman Kaethners Darstellung, Einswarden würde durch die Biogasanlage in seiner baulichen Entwicklung behindert, brachte der Bürgermeister wenig Verständnis auf. Mit Blick auf die sinkenden Einwohnerzahlen, so Hans Francksen, sei an eine Ausdehnung des Stadtteils nicht zu denken. Außerdem stünden noch ungenutzte Flächen für Wohnungsbauvorhaben an der Straße An den Wurten zur Verfügung.

Aufforstung geplant

Eine Einswarderin brachte Bedenken bezüglich einer Beeinträchtigung des Landschaftsbildes vor. Dem entgegneten die Investoren, dass ohnehin auf der Weide in Grebswarden eine Aufforstung geplant sei. Somit würden die etwa sechs Meter hohen Behälter in einigen Jahren in einem Wald verschwinden.


Der ebenfalls in Einswarden lebende SPD-Politiker Kurt Winterboer übte auch Kritik an dem Standort. Es müsse bei der Landesregierung in Hannover nachgehakt werden, ob die Anlage nicht doch weiter westlich in dem Vogelschutzgebiet errichtet werden könne. Falls es dabei ein Nein geben sollte, müsste das Thema intensiv mit den Menschen vor Ort in Einswarden besprochen werden.

Eine Chance, die Einswarder auf ihre Seite zu bringen, sehen die Investoren in Besichtigungsfahrten zu vergleichbaren Biogas-Anlagen. Bürgermeister Hans Francksen sprach die Hoffnung aus, das möglichst viele Bürger die Einladung annehmen mögen. „Auf diese Weise habe ich mich auch überzeugen lassen“, sagte er.

durch eine Verfeuerungsanlage für Restholz informierte der Rhenus-Midgard-Niederlassungsleiter Uwe Oppitz. Eine solche Anlage betreibt die Firma Reterra seit März 2009 im Auftrag des Hafenunternehmens auf dem Midgard-Gelände in Einswarden. Die im Sägewerk anfallenden Rinden, Späne und Schwarten werden verbrannt, um Wärme für die Holztrocknung zu gewinnen. Da noch ausreichend Kapazitäten frei sind, könnten mit Fernwärme aus dieser Biomasseheizung der Kindergarten und die Schule sowie das Seniorenzentrum To Huus achtern Diek in Blexen versorgt werden.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)
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