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VORTRAG Gefahr der Überflutung bannen

ULRICH SCHLÜTER

BLEXEN - BLEXEN - Die Doggerbank war vor rund 9000 Jahren eine Insel. Menschen lebten auf dem Land und betrieben Ackerbau. In den Netzen der Fischer würden sich hin und wieder einige zur damaligen Zeit gebräuchliche Utensilien verfangen, sagte Klaas-Heinrich Peters. Dass der Wasserspiegel gut 50 Meter niedriger lag als heute und sich Butjadingen weit im Binnenland befand, erwähnte der Baudirektor vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz in Brake zu Beginn seines Vortrags über „Deichbau-Geschichte von der Besiedlung der Küste bis heute“.

„Das Leben an der Küste“ lautet die Vortragsreihe des Kirchbauvereins St. Hippolyt und der Kirchengemeinde Blexen zum Maritimen Jahr 2005. Der erste Vortrag über die großen Sturmfluten bis 1962 stieß auf ein sehr großes Echo. Rund 90 Zuhörer fanden sich schließlich im Gemeindehaus Blexen ein. Eilig mussten am Mittwochabend noch Stühle herbeigebracht werden.

In seinem zweieinhalbstündigen Vortrag fesselte Klaas-Heinrich Peters auch sein jüngeres Publikum, dass er an diesem Abend über den Deichbau einst und jetzt informierte. Laut Klaas-Heinrich Peters schützt ein vierstufiges System das Land, beginnend mit den vorgelagerten Inseln und dem Wattenmeer, fortgesetzt mit dem Deichvorland und zuletzt den Deichen. Die älteste datierte Besiedlung Butjadingens reicht bis in die Bronzezeit 1000 vor Christus zurück. Das Bronzezeithaus an der Hahnenknooper Mühle, bei Baggerarbeiten im Jahre 1971 entdeckt, wird zurzeit Nachgebaut. Einen Deich habe es vor 3000 Jahren noch nicht gegeben, betonte der Referent.

Im Laufe der Jahrhunderte entstanden durch den klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels legten die Menschen Wurten und Ringdeiche an, um die gefährlichen Fluten zu bändigen. Viehzucht und Ackerbau nahmen zu. Verschiedene Literaturquellen lassen nach den Worten Klaas-Heinrich Peters mit Bestimmtheit sagen, dass Menschen um 1000 nach Christus Deiche im größeren Stil anlegten. Chronisten bezeugten für 1100 eine Deichlinie an der Küste. Informationen darüber seien jedoch dürftig, weil die Organisation des Deichwesens eingebettet war in die Gemeinschaften und das so genannte Besticken der Deiche mit Stroh der normalen bäuerlichen Tätigkeit entsprach.

Nach der Weihnachtsflut 1717 setzte die fachliche Diskussion über den Deichbau ein. Ursachen von Brüchen erforschten die Deichbaumeister. Ein Wegbereiter der Wissenschaft war Albert Brahms, der um 1750 das erste Lehrbuch der Deich- und Wasserbaukunst verfasste. Er entwickelte auch den ersten Pegel, um Scheitelwasserstände exakt zu messen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts lag das Schwergewicht der Arbeiten bei der menschlichen Muskelkraft. Erst allmählich setzte die Mechanisierung ein. Der erste Hydraulikbagger kam nach den Worten Klaas-Heinrich Peters 1956 beim Deichbau zum Einsatz. Heutzutage sei der Deich ein „ausgeklügeltes Ingenieurbauwerk“.


Sturmfluten laufen im binnenland höher auf

Eine Bremswirkung

ist laut Klaas-Heinrich Peters durch die Weservertiefung entfallen, so dass Sturmfluten im Binnenland höher auflaufen. Butjadingen sei durch den Neun-Meter-Ausbau allerdings kaum betroffen. In Nordenham reiche die Deichhöhe aus. Aufgrund neuer Modellrechnungen bestehe jedoch südlich der Hunte Handlungsbedarf. Der Tidenhub in Bremen betrage mittlerweile vier Meter. Im Jahre 1852 waren lediglich 0,2 Meter gemessen worden. Auch die Wellenaufläufe seien höher, sagt Klaas-Heinrich Peters.

Ein signifikanter Anstieg

der Sturmfluthäufigkeiten ist nach den Worten des Baudirektors nicht zu verzeichnen. Die Orkanfluten Mitte der 90er-Jahre haben an verschiedenen Abschnitten der Deutschen Bucht indes neue Höchstmarken gesetzt, dieser Trend werde sich weiter fortsetzen. Gründe dafür sind eine veränderte Windrichtung und die Zunahme der Windstärken. Bis zu 16 Meter hohe Fernwellen aus dem Atlantik seien ebenfalls gemessen worden. So genannte „Seebären“, extreme, orkanartige Böen, treten gleichfalls vermehrt auf.
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