BLEXEN - Der eventuelle Bau eines Kohlekraftwerks in Blexen sollte „vorurteilslos und gründlich geprüft werden“. Dafür spricht sich die parteilose Bürgermeister-Kandidatin Dr. Claudia Nolte-Schwarting aus. Auf keinen Fall dürfe die Stadt in Vorleistung treten.
„Ich erwarte zunächst weitere gründliche Informationen“, schreibt die 54-jährige Direktorin des Amtsgerichts Nordenham. „Der Stadtrat sollte sich nicht unter Druck setzen lassen und am 20. Dezember keine Entscheidung fällen, die wir später alle bereuen.“ Am 20. Dezember beschließt der Rat, wie berichtet, in nichtöffentlicher Sitzung über den Kauf des ehemaligen Dockbauplatzes der Gute-Hoffnungs-Hütte in Blexen für vermutlich zwei Millionen Euro. Der Kraftwerksbetreiber, über dessen Identität bisher Stillschweigen bewahrt wird, wünscht ein Vorkaufsrecht für dieses Gelände.
„Ich meine: Bevor die Stadt mit einem Grundstückserwerb in Vorleistung tritt, müssten erst einmal die Dimensionen des geplanten Baus erkennbar sein“, steckt Claudia Nolte-Schwarting ihren Kurs ab. „Sind hohe Kühltürme nötig? Sie würden das Ortsbild unerträglich stören. Wie hohe Schornsteine sind geplant? Wird die Kohle ausschließlich per Schiff angeliefert? Wohin mit der Schlacke? Wie soll die Staubbelastung begrenzt werden?“
Diese Fragen müssten mit den betroffenen Bürgern gründlich diskutiert werden, fordert die Kandidatin: „Es ist nach meiner Meinung viel zu früh, als dass sich die Stadt schon mit eigenen Leistungen festlegen müsste. Die Stromkonzerne schwimmen im Geld. Wenn sie Interesse an einem Grundstück haben, mögen sie sich aus eigenen Mitteln eine Option darauf sichern und auch die Entfernung von Altlasten selbst tragen.“
„Abwarten kann Gewinn bringen“, meint Nolte-Schwarting. „Die Technik schreitet beim Kraftwerksbau schnell voran, schon wird ein erstes Kraftwerk gebaut, bei dem die CO2-Abgase aufgefangen und in tiefe Gesteinsschichten gepresst werden.“
Generell wirft die Kandidatin die Frage auf, ob es „vielleicht weiser wäre“, die Kernkraftwerke länger laufen zu lassen als geplant. Schließlich sei zum Zeitpunkt des Ausstiegs-Beschlusses das Ausmaß des Klimawandels und des Beitrags der menschengemachten Kohlendioxid-Belastung noch nicht bekannt gewesen.
