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LOS-PROJEKT Hier schrauben Frauen selber

BLOHERFELDE - Im September 2005 startete des Projekt. Das Nutzen der Fahrradwerkstatt ist kostenlos.

Von Susanne Gloger

BLOHERFELDE - Die Fahrradkette braucht wieder mal Öl, und die Speichen sind etwas locker. Raoudha Dara legt selber Hand an. Die 38-jährige gebürtige Tunesierin weiß routiniert mit dem Speichenspanner umzugehen. Das hat sie in der Fahrradwerkstatt in der Freizeitstätte Offene Tür Bloherfelde gelernt. Seit September 2005 bietet die Zweiradmechanikerin und Pädagogin Regine Meyer hier jeden Mittwoch eine Qualifizierung im Bereich Fahrradtechnik an – von 9.30 bis 12.30 Uhr nur für Frauen, von 14 bis 17 Uhr für alle Interessierten.

Diese Qualifikation ist eines von zehn so genannten Mikroprojekten im Programm „Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS)“ im Kennedyviertel. „Ziel ist es, die Menschen hier sozial und beruflich zu integrieren, ein Netzwerk zu bilden“, sagt Achim Scholz von der Volkshochschule, die zusammen mit der LOS-Koordinierungsstelle für dieses Fahrrad-Projekt verantwortlich ist. Bis Juni läuft das Programm, das aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Zum dritten Mal in Folge fließen 100 000 Euro für die LOS-Projekte nach Oldenburg.

„Integration fängt bei der Mobilität an“, nennt Achim Scholz einen wichtigen Aspekt der Qualifikation Fahrradtechnik. Die Nutzung der Werkstatt mit ihrem hochwertigen Werkzeug und die Beratung sind kostenlos. „Das ist wichtig, denn hier im Kennedyviertel gibt es viele Haushalte mit geringem Einkommen. Ein kaputtes Fahrrad zur Reparatur geben – das ist nicht möglich.“ Gerade auch die Frauen wolle man ansprechen. „Weil die meistens aufs Rad angewiesen sind. Falls ein Auto vorhanden ist, nutzen das die Ehemänner“, weiß Scholz.

Zwei bis drei Frauen begrüßt Regine Meyer fast zu jedem Termin. „Das sind junge Frauen, Mütter, aber auch ältere Damen bis zu 70 Jahren“, erzählt die 36-Jährige. Bis zu vier Personen können gleichzeitig in der Werkstatt arbeiten. Regine Meyer, die hauptberuflich in einem Oldenburger Fahrradgeschäft arbeitet, ist die Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten, besonders für Frauen, wichtig. Hilfe zur Selbsthilfe, lautet das Gebot.


Anregung zur nachbarschaftlichen Reparaturhilfe soll das Projekt auch geben. Und außerdem werden hier gespendete, noch fahrtüchtige gebrauchte Fahrräder wieder für die Bewohner des Viertels instand gesetzt. „Das hat auch ein bisschen Vorbildfunktion für die Kinder“, so Achim Scholz. „Sie lernen, dass Dinge einen Wert haben und nicht weggeworfen werden müssen, wenn sie nicht mehr ganz in Ordnung sind“.

Raoudha Dara ist begeistert vom Projekt. Sie besucht die Werkstatt gerne, auch weil man hier in Kontakt mit den anderen Bewohnern kommt. Immerhin leben 27 verschiedene Nationalitäten im Kennedyviertel. Die 38-Jährige wohnt seit 1995 in Oldenburg. Rad fahren hat sie erst hier gelernt, im vergangenen Jahr in der Radfahrschule – auch ein LOS-Projekt.

„Integration fängt

bei der

Mobilität an“

Achim Scholz
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