Bösel - Es blüht an den Rändern der Felder in der Gemeinde Bösel. Ob Ackerrandstreifen oder Blühstreifen – es geht um den Erhalt von natürlichen Biotopen, damit sich neben einer landwirtschaftlichen Fläche auch Ackerwildkräuter und die an sie angepasste Tierwelt ausbreiten können. Doch es könnte mehr blühen an Bösel Äckern. Davon ist der Landvolkvorsitzende Günter Wienöbst überzeugt.

Wienöbst ist ein großer Befürworter von Ackerrandstreifen: „Ein Randstreifen bleibt brach liegen und gibt der Natur den Raum, sich neben einer bewirtschafteten Fläche frei zu entfalten.“ Im Unterschied zu Blühstreifen werden die Randstreifen ohne Blühmischung und ohne Pflanzenschutzmittel bewirtschaftet. „Eine umweltschonenden Sache, die die Artenvielfalt fördert“, so Wienöbst.

Hatte in der 80er und 90er-Jahren noch fast jeder Landwirt in der Gemeinde einen Randstreifen, sind die Zahlen seit der Jahrtausendwende stark rückläufig, trotz einer von der Europäischen Union kofinanzierten Prämie. Wien-öbst sieht die bürokratische Hürde als primären Grund. „Die Auflagen sind enorm umfangreich geworden. Im sogenannten Ackerrandstreifenprogramm ist jedes Detail eines Streifens festgelegt. Länge, Ort und Handhabung – Kontrolleure der Landwirtschaftskammer kommen oft unangekündigt. Ein Aufwand der viele Landwirte abschreckt“, sagt der 47-Jährige. Dabei schützen die Randstreifen nicht nur die Flora in der Gemeinde. „Es sind auch Rückzugsgebiete für eine Menge an Tieren. Ob Fasane, Rebhühner oder Hasen. Auch sie brauchen ihren Raum, der nicht durch Bürokratie verkleinert werden sollte“, ist Wienöbst sicher, der sich nicht nur im Landvolkverband, sondern auch als Jäger im Hegering Bösel um den Tierbestand in der Gemeinde kümmert.

Und noch einen Vorteil haben die Randbiotope: Dort können sich natürliche Gegner von Schädlingen entwickeln. „Ein großer Vorteil also für jeden Landwirt. Doch noch mehr Kontrollen, noch mehr Aufwand auf seinem Land, das möchte keiner“, sagt Wienöbst, der selber Landwirt im Gemeindeteil Glaßdorf ist.

„Es ist schade, es könnten viel mehr Streifen in der Gemeinde sein“, ist sich Wienöbst sicher. Doch eine baldige Änderung der Gesetze und Verordnungen ist noch nicht in Sicht. „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Politik mehr auf die Landwirte Rücksicht nimmt – wir vom Landvolk machen vermehrt darauf aufmerksam“, so Wienöbst.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland