Ganderkesee/Immer - Was dabei herauskommt, wenn Landwirte und Naturschutzverbände an einem Strang ziehen, lässt sich derzeit auf Flächen von insgesamt etwa 16 Hektar betrachten – die allerdings in der Regel etwas versteckt abseits der Hauptverkehrsstraßen liegen. Denn im Frühjahr sind in der Gemeinde Ganderkesee mehrere Blühstreifen angelegt worden. An dem Projekt beteiligen sich 20 Landwirte aus der Gemeinde, die Jägerschaft, der Runde Tisch Natur sowie der Nabu und der Fuhrenkamp-Schutzverein.
„Entscheidend ist, dass Landwirte und Naturschutzverbände zusammenarbeiten. Wir haben festgestellt, dass wir in vielen Punkten gar nicht so weit auseinander liegen. Beide Seiten lernen dazu und können von diesem Projekt profitieren“, ist Landwirt Onno Osterloh überzeugt. Außerdem freut er sich über die rege Beteiligung: „Etwa ein Viertel der landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebe aus dem Gemeindegebiet machen mit. Und das gleich im ersten Jahr des Runden Tisches.“
Enormer Aufwand
Das Saatgut für die Blühstreifen ist größtenteils von der Jägerschaft zur Verfügung gestellt worden, und auch der Nabu hat auf Empfehlung des Landvolks Ammerland eine bestimmte Sorte beigesteuert. „Die Mischungen haben wir von der Landesjägerschaft übernommen, weil sie uns empfohlen worden sind“, sagt Landvolk-Vorsitzender Cord Wübbenhorst.
Um die Aussaat hatte sich Jürgen Holschen gekümmert. „Das war nicht immer einfach“, erinnert er sich. Einige nasse Flächen habe er mehrmals mit seinem Schlepper anfahren müssen. Heiko Alfs hatte derweil die Koordination übernommen und geprüft, wann welche Flächen überhaupt befahrbar sind.
Pro Hektar sind 20 Kilogramm überwiegend einjähriges, aber auch mehrjähriges Saatgut verstreut worden. Für die Landwirte bedeutet dies enormen Aufwand: „Die Flächen müssen zuerst durch Maschineneinsatz in einen landwirtschaftlich ordnungsgemäßen Zustand gebracht werden“, erklärt Osterloh.
Durch das Anlegen der Blühstreifen entsteht ein Ernteausfall von bis zu 1500 Euro pro Hektar. Warum also lassen sich die Bauern überhaupt darauf ein? „Ich denke, die Landwirte betrachten das Anlegen der Blühstreifen in diesem Fall als ehrenamtliches Engagement und sehen es als ihren Beitrag zum Naturschutz an“, sagt Osterloh. Die beteiligten Landwirte erhalten laut Wübbenhorst und Osterloh keinerlei Förderung für diese Blühstreifen.
Projekt läuft weiter
Mit dem sichtbaren Ergebnis hinter Osterlohs Stall in Immer sind alle Beteiligten zufrieden. Nun müsse man abwarten, ob sich das verteilte mehrjährige Saatgut auch im zweiten Jahr gegen Beikräuter durchsetzen kann. „Dies ist quasi ein Testlauf. Aber das Projekt ist für einen längeren Zeitraum vorgesehen, allein schon wegen der mehrjährigen Blühstreifen“, sagt Klaus Handke vom Fuhrenkamp-Schutzverein.
