BOCKHORN/GARNHOLT - Der Name Lauw steht für eine ganze Industrie. Die Ziegelbarone haben der Region um die Friesische Wehde ihren Stempel aufgeprägt.

Von Kai Hippen

BOCKHORN/GARNHOLT - In der Gemeinde Bockhorn sind bewusst wenige Straßen nach Personen benannt worden. Die Ziegler August Lauw und Diedrich Uhlhorn gehören dazu – dem ersten ist auch eine weitere Straße gewidmet, die August-Lauw-Straße in Garnholt. Der gemeinhin als Ziegelkönig bezeichnete August Lauw lebte von 1826 bis 1917. Vor 150 Jahren hatte er in Bockhorn sein erstes Klinkerwerk gegründet, in dem er 1869 auch den ersten, Epoche machenden Ringofen bauen ließ. Sein Enkel August Lauw II (der „Flieger“) ließ 1923 eine weitere technische Pionierleistung folgen, die Press-Klinkerplatte.

Günther Bohlen, der beim Baustoffhändler Hornbüssel in Bockhorn zum Kaufmann ausgebildet worden war und in Garnholt mit Gemüse handelte, war oft auf der August-Lauw-Straße unterwegs gewesen. Gemeinsam mit dem Heimatforscher Dipl-Ing. Eilert Schimmelpenning und dem Bockhorner Bürgermeister Ewald Spiekermann machte er sich jetzt auf Spurensuche. Erstes Zeichen: Zwischen Linswege und Garnholt verläuft eine gut erhaltende Klinkerstraße durch den Forst. Sie war einst von Lauw gebaut worden, der 1874 das Gut Garnholt gekauft hatte, mit 290 Hektar Ackerland, Weiden, Wald und mit fast neuen Gebäuden, wie Schimmelpenning zu berichten weiß. Zu seinen besten Zeiten besaß Lauw sechs Ziegeleien und acht Gutshöfe mit insgesamt rund 2000 Hektar Land.

August Lauws Sohn Carl und dessen Söhne Günther und August waren in Garnholt präsent – wie August Braaf weiß. Beinahe ein Zeitzeuge, den Günther Bohlen mit Hilfe von Nachbarn in Garnholt ausfindig machen konnte. Braaf war nach 1945 Arbeiter auf dem Gut Garnholt gewesen, wie sein Vater, und aus dessen Erzählungen konnte Braaf berichten. Der früh verstorbene Carl Lauw verwöhnte seine Kinder mit Privatlehrern und Reitunterricht mit sechs bis sieben Pferden. Der Vorarbeiter musste immer in einer großen Tanne Ausschau halten nach den Ziegelbaronen, wenn sie aus Bockhorn anreisten – damit die Arbeiter bei der Visite einen arbeitsamen Eindruck machen konnten. Auch an den verwegenen Flieger August Lauw II betehen Erinnerungen: Er landete einst mit seinem Flugzeug direkt neben dem Gutshof.

Der Hof selber steht auch noch, er wird jetzt von der Familie Borgmann bewirtschaftet. Persönliche Spuren der Familie Lauw finden sich nach Auskunft von Annelie Borgmann allerdings nicht mehr. Dafür von einem Mann, der auf ganz anderem Feld Großes geleistet hat. Der Filmkomponist Michael Jary (1906 bis 1988) lebte einst auf dem Hof und ließ einen noch existierenden überdachten Swimming-Pool bauen. Jary schrieb für Zarah Leander „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ und lieferte Filmmusik für zahlreiche Heinz-Rühmann-Erfolge.